Action, Drama, Sport | Erscheinungsjahr: 2025 | Geschaut: 2025 über Streamingdienst | Schauspieler: Brad Pitt, Damson Idris, Javier Bardem | Regisseur: Joseph Kosinski | 2h 36min
I don’t wanna lose my mind - Und doch hab ich es
Wenn ein Film mich für ein Thema begeistert, mit dem ich vorher keinerlei Berührungspunkte hatte, dann ist das schon ziemlich beachtlich. Ich habe meist eine sehr kurze Aufmerksamkeitsspanne bei Themen, die mich nicht interessieren. Wenn ein Film es aber schafft, mich zum Fan von etwas zu machen, das mir vorher völlig egal war, dann ist das eine echte Wahnsinnsleistung. Und was soll ich sagen? Seit F1 sitze ich sowas von im Formel 1 Boot, und der Soundtrack läuft bei mir auf Dauerschleife. Ich beiße mir immer noch in den Arsch, dass ich es verpasst habe, diesen Streifen im Kino zu sehen.
Sonny Hayes (Brad Pitt) ist ein abgehalfterter ehemaliger Formel 1 Fahrer und springt von einem Motorsportevent zum nächsten. Als ein alter Freund ihn bittet, seinem angeschlagenen Formel-1-Team unter die Arme zu greifen, sieht Hayes (Brad Pitt) seine Chance, noch einmal in einem Formel 1 Cockpit zu sitzen. Zwischen Teamdruck, persönlichen Dämonen und der gnadenlosen Welt der Formel 1 geht es um zweite Chancen, Rivalität und den Preis des Erfolgs.
Was der Film technisch auffährt, ist schlicht Wahnsinn. Die Kameraarbeit spielt in einer eigenen Liga. Man merkt in jeder Sekunde, wie umständlich und aufwendig es war, die Kameras direkt an den Autos zu befestigen, um diese Bilder überhaupt möglich zu machen. Extra für den Film angefertigt und zum Teil aus Joseph Kosinskis Top Gun - Maverick übernommen und modifiziert, sodass die Kameras leicht und klein genug waren. Es wurden sogar Formel 2 Autos umgebaut, damit die Rennen wirklich auf der Rennstrecke gefilmt werden konnten. Das Ergebnis ist überwältigend: Geschwindigkeit wird hier nicht nur gezeigt, sondern spürbar gemacht. Jede Kurve, jedes Überholmanöver, jeder Bremsvorgang fühlt sich brutal nah an. Optisch ist das absolute Spitzenklasse, mit ganz viel Liebe fürs Detail. Dazu kommt die Musik von Hans Zimmer, die das Ganze noch einmal auf ein anderes Level hebt. Der Score treibt, pusht, reißt mit und sorgt dafür, dass die Rennsequenzen richtig Power haben.
Inhaltlich erzählt F1 eine Geschichte, die wir schon hunderte Male gesehen haben: Rookie trifft auf Mentor, will sich vom „alten Sack“ nichts sagen lassen, es kommt zur Rivalität, dann zum Schicksalsschlag, zur Einsicht auf beiden Seiten, und am Ende gewinnt man gemeinsam. Irgendwo wird noch eine Liebesgeschichte reingequetscht, fertig. Das Rad wird hier nicht neu erfunden. Wer viel Substanz, Innovation oder ein tiefgehendes Charakterdrama erwartet, wird hier nicht fündig. Der Film will manchmal zu viel auf einmal: Teamdynamik, persönliche Konflikte, der Druck des Sports, das große Ganze der Formel 1, und verzettelt sich dabei leicht.
Wer damit klarkommt oder das gar nicht braucht und sich einfach auf den Film einlässt, bekommt etwas anderes. Etwas Besonderes, fast schon Bildgewaltiges. F1 ist ein Film, der nicht erklärt, sondern erleben lässt. Er nimmt einen mit, mitten hinein in die rohe, raue und unerbittliche Welt der Formel 1. Eine Welt voller Dynamik, Geschwindigkeit und null Toleranz für Fehler. Joseph Kosinski zeigt auf atemberaubende Art, wie es ist, Teil eines Formel 1 Teams zu sein. Er zeigt auch die Welt hinter den Kulissen, hinter den TV-Kameras, das, was wir Zuschauer normalerweise nicht sehen: die Menschen, das Team, die Dynamiken. Davon profitieren nicht nur Fans, sondern auch Neulinge. Ich zähle mich definitiv zur zweiten Gruppe und bin nach dem Abspann mit deutlich mehr Interesse an diesem Sport aus dem Kino gegangen, als ich vorher hatte.
Die Schauspieler sorgen für einen runden Abschluss. Die Chemie und Dynamik im Team ist spürbar und macht richtig Spaß. Brad Pitt und Damson Idris funktionieren hier wundervoll, beide passen perfekt in diese Welt aus Präzision, Ego und Geschwindigkeit. Zwar kommen einige Charakterentwicklungen hier und da zu kurz, doch das wird schnell von der nächsten Rennsequenz überschattet.
Unterm Strich ist F1 ein überraschend euphorischer, begeisternder Film. Nicht perfekt, nicht immer tief, aber technisch, visuell und akustisch auf einem Niveau, das man selten sieht. Das hier ist Kino für die große Leinwand.
Verfügbar bei: https://www.justwatch.com/de/Film/F1
