Action, Thriller, Krimi, Drama | Erscheinungsjahr: 2025 | Geschaut: 2025 über Streamingdienst | Schauspieler: Leonardo DiCaprio, Sean Penn, Chase Infiniti | Regisseur: Paul Thomas Anderson | 2h 42min
9,3/10 Punkte
Ein Klassiker aus 2026
One Battle After Another, so heißt die leichte Antwort auf die Frage: „Warum sollte man heute noch ins Kino gehen?“ Solche Filme werden fürs Kino gemacht, und zu meiner Schande muss ich direkt gestehen: Ich habe ihn nicht einmal im Kino gesehen. Schon fast unwürdig für so einen Film habe ich ihn leider nur zu Hause auf dem Fernseher gesehen, und ich ärgere mich bis heute darüber. Denn so einen Streifen muss man auf der großen Leinwand eigentlich genießen. Kein anderer aktueller Film spaltet Zuschauer und Kritiker so sehr – von absolutem Meisterwerk bis hin zum totalen Flop hört man alles. Wahrscheinlich liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen, doch für meinen bescheidenen Teil ist One Battle After Another ein direkter Klassiker.
Wir verfolgen die linksextreme Terrorgruppe „French 75“, die in einem zutiefst gespaltenen Amerika in einen Strudel aus Gewalt, Machtspielen und moralischen Grenzverschiebungen gerät. Im Zentrum steht Bob Ferguson (Leonardo DiCaprio), der zwischen politischen Fronten, persönlichen Schuldgefühlen und eskalierenden Konflikten versucht, einen Ausweg zu finden. Während sich eine Auseinandersetzung an die nächste reiht, verschwimmen die Grenzen zwischen Täter und Opfer, Ideologie und persönlichem Überleben.
Was One Battle After Another so besonders macht, ist dieser extrem feine Balanceakt. Auf der einen Seite ein ziemlich nihilistischer Blick auf das heutige Amerika, auf der anderen Seite Figuren, die trotz all ihrer Abgründe einen ganz eigenen Charme entwickeln. Anderson bewegt sich hier permanent auf einem schmalen Grat zwischen bitterer Gesellschaftskritik und fast schon absurdem Humor und kippt dabei nie komplett in eine Richtung. Genau das hält den Film zusammen.
Am Anfang wirkt das alles fast ein bisschen erschlagend. Sehr politisch, sehr schwer, sehr „viel“. Aber Anderson wäre nicht Anderson, wenn er das nicht immer wieder mit einer gewissen Absurdität brechen würde. Plötzlich entstehen Momente, die so weird, so schräg und so unerwartet sind, dass man fast lachen muss – nur um im nächsten Moment wieder komplett in diese düstere Realität gezogen zu werden. Der Film spielt konstant mit dir.
Und dann diese Figuren. Selten habe ich Charaktere gesehen, die gleichzeitig so fremd und so faszinierend sind. Jeder wirkt ein bisschen „off“, ein bisschen verschoben, aber genau das macht sie so interessant. Leonardo DiCaprio liefert hier eine seiner stärksten Performances der letzten Jahre ab, unglaublich intensiv, voller innerer Spannung. Und Sean Penn? Der tritt hier in große Fußstapfen der Filmgeschichte à la Darth Vader in StarWars oder Hans Landa in Inglourious Basterds und füllt sie mit einer Selbstverständlichkeit, die fast schon beängstigend ist. Ein Antagonist, der hängen bleibt.
Was mich aber am meisten überrascht hat: wie unfassbar spannend dieser Film ist. Trotz seiner Länge, trotz seiner Schwere verliert er nie an Zug. Der Schnitt ist messerscharf, das Tempo hoch, ohne hektisch zu wirken. Paul Thomas Anderson versteht es wie kaum ein anderer, Spannung nicht nur über Handlung, sondern über Stimmung aufzubauen. Man hängt permanent drin und will keine Szene verpassen.
Und visuell? Ein einfaches Wort: Wahnsinn. Die Kameraarbeit hebt den Film nochmals auf ein höheres Level, das man heutzutage selten sieht. Jede Einstellung wirkt durchdacht, jede Szene hat Gewicht. Besonders die finale Sequenz auf dieser endlosen Straße – das ist nicht einfach nur schön gefilmt, das ist bildliche Erzählkunst auf höchstem Niveau. Da passiert etwas, das Worte nicht beschreiben können, sondern nur solche Bilder erzählen können.
Natürlich ist der Film nicht perfekt. Er trifft nicht immer zu 100 % den Ton, manchmal verliert er sich leicht in seinen eigenen Ideen. Aber ganz ehrlich: Das gehört hier fast schon dazu. Dieser Film will nicht glatt sein, nicht gefällig. Er will etwas Eigenes. Und genau das spürt man in jeder Sekunde.
Unterm Strich ist One Battle After Another ein Film, der fordert, der polarisiert und der dich nicht kalt lässt. Ein Werk, das etwas mit dir macht. Und genau deshalb ist er so besonders. Bereits jetzt ein moderner Klassiker, und ich lehne mich nicht weit aus dem Fenster, wenn ich sage: Das ist ein Film, über den man noch sehr lange sprechen wird.
Verfügbar bei: https://www.justwatch.com/de/Film/the-battle-of-baktan-cross
