Komödie, Krimi, Drama | Erscheinungsjahr: 2025 | Geschaut: 2025 über Streamingdienst | Schauspieler: Daniel Craig, Josh O’Connor, Glenn Close | Regisseur: Rian Johnson | 2h 25min

7,7/10 Punkte

Rian Johnson erweckt eine tote Reihe

Mit Wake Up Dead Man verwirklicht Rian Johnson seinen dritten Knives Out Film und bringt zum Jahresende seinen Detektiv-Krimi auf Netflix heraus. Ich werde sicherlich nicht der Einzige gewesen sein, der sich bei der Ankündigung dachte: Brauchen wir wirklich noch einen weiteren Teil? Der erste hatte noch gut Spaß gemacht – viel Witz, gut durchdacht und abwechslungsreich. Der zweite hingegen tat dann nur noch weh: komplett falsches Setting, schlecht gewählter Cast und ein deutlich fehl am Platz wirkender Daniel Craig läuteten für mich bereits das sehr frühe und schnelle Ende der Reihe ein. Doch ich sollte mich täuschen. Nun haben wir, drei Jahre später, einen weiteren Teil der Reihe, und was ich vorweg schon sagen kann: Wake Up Dead Man: A Knives Out Mystery ist für mich ganz klar der stärkste Teil der Reihe – nicht, weil er lauter oder größer ist, sondern weil er ruhiger, präziser und selbstbewusster erzählt. Rian Johnson hat aus den Schwächen der Vorgänger gelernt. Wo der zweite Teil zu viel wollte, zu verspielt war und sich stellenweise selbst im Weg stand, nimmt sich dieser Film Zeit. Für Figuren, für Atmosphäre, für echtes World Building. Und genau das zahlt sich aus. Doch worum genau geht es in Wake Up Dead Man?

Wir begleiten den jungen Priester Jud Duplenticy (Josh O’Connor), der nach einem handgreiflichen Streit in eine kleine Gemeinde versetzt wird. Dort trifft er auf Monsignor Jefferson Wicks (Josh Brolin) und entdeckt schnell, dass dieser seine Predigten eher mit Hassreden schürt und die Gemeinde mehr spaltet und verschreckt, als sie zusammenzuführen. Bei seinem Versuch, mehr über die Gemeinde und die Kirche herauszufinden und den Menschen näherzukommen, stößt Jud Duplenticy (Josh O’Connor) auf einen rätselhaften Todesfall, der ein Geflecht aus Schuld, Lügen und moralischen Widersprüchen offenlegt.

Was man als Zuschauer direkt zu Beginn des Films bemerkt, ist, dass von Benoit Blanc (Daniel Craig) lange Zeit nichts zu sehen ist. Ungefähr das erste Drittel des Films taucht er gar nicht auf. Ein sehr unkonventioneller Ansatz, vor allem, da Daniel Craig das Gesicht der Reihe ist und diese maßgeblich trägt. Doch dieses Vorgehen tut dem Film extrem gut, da er so von alleine wachsen kann und sich Zeit für World Building und für die anderen Figuren nimmt. Genau dort liegt auch der größte Trumpf von Wake Up Dead Man: das Casting. Josh O’Connor spielt herausragend und wird zum emotionalen und erzählerischen Zentrum des Films. Über seine Figur erschließen sich nach und nach die anderen Charaktere, ihre Motive, ihre Risse. Das ist klug gebaut und sorgt dafür, dass die Figuren Tiefe bekommen, ohne dass der Film sie ständig erklären muss. Die Präsenz von Daniel Craig ist trotz seines späten Einstiegs immer spürbar – diese ruhige, fast hypnotische Aura, die sich auch auf den Zuschauer überträgt. Und genau weil er nicht alles an sich reißt, funktioniert sein Auftritt im Finale umso besser. Selbst dort tritt er wieder einen Schritt zurück, was dem Film enorm guttut.

Visuell ist der Film eine Wucht. Die Kameraarbeit ist durchweg stark, oft überraschend, manchmal fast schon verspielt. Besonders der Umgang mit Licht bleibt hängen. Das erste Treffen zwischen Daniel und Josh ist dafür sinnbildlich. Licht, Raum und Blickachsen erzählen hier fast mehr als der Dialog. Wenn Benoit Blanc (Daniel Craig) von seinem Zwiespalt mit Gott erzählt und in seinem aufreibenden Monolog im Schatten steht, während Jud Duplenticy (Josh O’Connor) im Dialog mit ihm durch das gleißende Licht der Kirchenfenster fast zu einer leuchtenden Gestalt wird, dann macht das etwas mit einem. Gleichzeitig fühlt sich das Setting extrem stimmig an. Es erinnert bewusst an alte Krimi-Streifen, ohne sich nostalgisch anzubiedern, und spiegelt nebenbei sehr elegant die aktuelle amerikanische Stimmung wider: angespannt, widersprüchlich, moralisch brüchig.

Inhaltlich muss man zugeben, dass auch hier das Rad nicht neu erfunden wird. Trotzdem ist es ein durchweg gut konstruierter Krimi, der sehr viel Spaß macht. Hinweise werden früh gestreut, immer wieder aufgegriffen und laden aktiv zum Miträtseln ein. Der Zuschauer wird häufig auf falsche Fährten gelockt, und bis zum Ende bleiben Fragen offen, die nicht leicht zu durchschauen sind. Gerade hier merkt man, dass Rian Johnson aus den vorherigen Filmen gelernt hat und alte Fehler nicht erneut begehen möchte. Die Dialoge sind pointiert, oft überraschend und machen schlicht Spaß.

Ganz ohne Schwächen läuft es aber auch hier nicht. Ein altes Problem von Rian Johnson ist, dass er nicht weiß, wann Schluss ist – und das zeigt sich auch hier. Er kommt nicht immer zum Punkt, immer wieder wird ein neuer Twist nachgeschoben, ein weiterer Haken geschlagen. Man hätte sich hier sicherlich ein oder zwei Handlungsstränge sparen können, ein paar Minuten weniger Laufzeit gehabt und trotzdem einen sehr runden, vielleicht sogar etwas leichtfüßigeren Film erhalten.

Trotzdem muss man abschließend sagen, dass Wake Up Dead Man für mich eine absolute Hammer-Überraschung dieses Jahr war. Es ist bemerkenswert, dass Rian Johnson mit dem dritten Teil einer Reihe so etwas abliefert. Meist ist eher das Gegenteil der Fall. Für mich ist dieser Film mit Abstand mein liebster Knives Out-Teil. Ein Krimi, der sich Zeit nimmt, der Bildern, Figuren und Atmosphäre vertraut und genau deshalb so gut funktioniert.

Verfügbar bei: https://www.justwatch.com/de/Film/wake-up-dead-man-a-knives-out-mystery