Mystery, Science-Fiction, Drama | Erscheinungsjahr: 2016 | Geschaut: 2016-2026 | Schauspieler: Millie Bobby Brown, Finn Wolfhard, David Harbour, Winona Ryder, Gaten Matarazzo

  1. Staffel 8 Folgen: 9,2/10 Punkte Like
  2. Staffel 9 Folgen: 7,7/10 Punkte
  3. Staffel 8 Folgen: 8,7/10 Punkte
  4. Staffel 9 Folgen: 8,4/10 Punkte

5. Staffel 8 Folgen:

6,5/10 Punkte

I believe

Mit dem Schritt, den dritten Teil der fünften Staffel am 01.01.2026 zu releasen, hat Stranger Things tatsächlich die magische 10-Jahres-Marke geknackt. Zehn Jahre lang haben wir die Abenteuer rund um Mike (Finn Wolfhard), Lucas (Caleb McLaughlin), Dustin (Gaten Matarazzo), Will (Noah Schnapp), Max (Sadie Sink) und Elf (Millie Bobby Brown) miterlebt. Von 2016 bis 2026 haben wir mit dieser Gruppe gelacht, geweint, D&D gespielt und sind irgendwo selbst mit ihnen aufgewachsen. Und genau das ist der Punkt, an dem diese Staffel für mich mehr ist als nur „die letzte Staffel einer Serie“.

Ich bin erstaunlich spät eingestiegen. Der Hype hielt sich, zumindest in meiner Wahrnehmung, in Grenzen, und auch wenn ich den ganzen Internet-„Hunt“ rund um diese mysteriöse Folge 9 mitbekommen habe, war mir das alles irgendwie egal. Vielleicht, weil ich schon wusste, dass mir einiges nicht gefallen wird. Vielleicht aber auch, weil ich tief drin einfach nicht wollte, dass es endet. Denn nachdem die letzte Folge lief, wurde mir klar: Es ging nie nur um die Serie.

Zehn Jahre. Als Stranger Things angefangen hat, war ich noch in der Schule. Andere Freunde, anderes Umfeld, ein anderes Leben. Und jetzt sitzt man da, schaut das Finale und merkt, wie viel sich verändert hat. Nicht nur bei den Figuren, sondern bei einem selbst. Diese Serie war über all die Jahre ein Begleiter. Ein Ort, zu dem man zurückkommen konnte. Hawkins war ein Stück Konstante in einer Zeit, in der sich sonst alles verändert hat. Und genau deswegen fühlt sich dieses Ende so seltsam an.

Es ist dieses leise Ziehen, diese kleine Leere, dieses Gefühl von Sehnsucht. Als würde man einen alten Freund verabschieden. Wenn eine Serie es schafft, genau das in dir auszulösen, dann hat sie etwas richtig gemacht. Und so kritisch ich gegenüber dieser letzten Staffel auch bin, genau dieses Gefühl hat sie mir gegeben. Es ist unangenehm, aber gleichzeitig auch irgendwie schön.

Und trotzdem gehört zur Wahrheit auch, dass ich enttäuscht bin. Was in Staffel 1 noch so frisch, so klar und so besonders war, ist über die Jahre zunehmend verloren gegangen. Stranger Things war einmal eines der letzten großen Serienphänomene, das wirklich alle erreicht hat, egal ob jung oder alt. Es reiht sich problemlos neben Giganten wie Game of Thrones, Breaking Bad oder Die Sopranos ein. Serien, die mehr waren als Unterhaltung, sondern echte kulturelle Ereignisse. Serien, deren Folgen wochenweise diskutiert wurden und deren neue Episoden man kaum erwarten konnte. Stranger Things ist vielleicht das letzte Serienphänomen seiner Art – für eine sehr lange Zeit oder vielleicht sogar für immer.

Das Erfolgsrezept war eigentlich perfekt: Identifikationsfiguren für jüngere Zuschauer, der nostalgische 80er-Look für die Älteren und eine Mischung aus Science-Fiction und Action, die Genre-Fans abgeholt hat. Das war keine kalkulierte Formel, das war Magie. Doch genau diese Magie ist über die Zeit Stück für Stück verblasst. Die fünfte Staffel fühlt sich oft an, als würde sie zu viel wollen. Zu viele Figuren, zu viele Handlungsstränge, zu viel „Größe“. Dabei gerät das aus dem Fokus, was die Serie einmal so stark gemacht hat: die kleinen Momente zwischen den Figuren. Die menschliche Komponente, das Gefühl von Freundschaft und Zusammenhalt. All das ist noch da, aber es muss sich seinen Platz zurückkämpfen.

Und trotzdem: Wenn die Serie funktioniert, dann funktioniert sie immer noch unglaublich gut. Gerade im Finale merkt man, dass hier ein Abschluss erzählt werden soll, der Gewicht hat. Kein schnelles Ende, kein „wir bringen es einfach zu Ende“. Hier steckt Herz drin. Auch wenn nicht jede Entscheidung aufgeht, spürt man den Versuch, diesen Figuren einen würdigen Abschied zu geben. Und vielleicht ist genau das der Punkt. Diese Staffel ist nicht perfekt. Sie ist stellenweise zu groß, zu überladen, manchmal auch ein wenig verloren in ihrem eigenen Anspruch. Aber sie ist gleichzeitig auch ein Abschluss. Ein notwendiger. Für die Figuren, für die Darsteller und vielleicht auch für uns.

Während ich das hier schreibe, läuft im Hintergrund „End of Beginning“ von Djo auf Dauerschleife (was nebenbei bemerkt der viel bessere Abschlusssong für Steves, Nancys, Robins und Jonathans letzte Szene gewesen wäre), und ich merke selbst, wie sehr diese Serie doch noch in mir arbeitet. Vielleicht war es nie nur die Qualität der einzelnen Staffeln, sondern das, was sie über die Jahre hinweg bedeutet hat. Stranger Things war ein Wohlfühlort. Hawkins war eine Flucht aus dem Alltag. Und jetzt ist das vorbei. Es fühlt sich an wie ein Abschied, den man lange vor sich hergeschoben hat.

Und irgendwo, ganz tief drin, sitzt immer noch eine jüngere Version von mir in Mikes Keller und spielt D&D. Ein bisschen naiver, ein bisschen unbeschwerter, ein bisschen mehr Kind. Dieser Teil wird immer da bleiben. Aber das eigentliche Abenteuer liegt jetzt woanders. Ohne Würfel. Ohne Spielleiter. Ohne Hawkins.

Und wenn ich ehrlich bin, ein kleines bisschen Magie würde dabei wirklich nicht schaden.