Disclosure Day

4 Minuten

Science-Fiction, Mystery & Thriller | Erscheinungsjahr: 2026 | Geschaut: 2026 im Kino | Schauspieler: Emily Blunt, Josh O’Connor, Colin Firth | Regisseur: Steven Spielberg | Laufzeit: 2h 26min

 6,5 

Was wäre wenn?

Es gibt Filme, bei denen reicht eine einzige Idee aus, damit die Erwartungen sofort durch die Decke gehen. Disclosure Day war für mich genau so ein Fall. Allein die Prämisse klang großartig. Und wenn dann auch noch Steven Spielberg auf dem Regiestuhl sitzt und selbst an der Geschichte mitschreibt, dann geht man fast automatisch davon aus, dass hier etwas Besonderes entstehen muss. Doch vielleicht ist die eigentlich größte Stärke, auch das genau Problem.

In Disclosure Day begleitet wir Margaret Fairchild (Emily Blunt) und Daniel Kellner (Josh O’Connor), die auf Hinweise stoßen, dass die Existenz außerirdischen Lebens seit Jahrzehnten von der Regierung geheim gehalten wird. Während sie einer immer größer werdenden Verschwörung nachgehen, geraten sie selbst ins Visier der Verantwortlichen und müssen entscheiden, wie viel Wahrheit die Menschheit überhaupt verkraften kann.

Die Ausgangsidee ist eigentlich fantastisch. Die Vorstellung, dass Regierungen die Existenz außerirdischen Lebens seit Jahrzehnten vor der Menschheit verbergen, begleitet uns gefühlt schon ewig. Gerade wenn man in Richtung USA schaut, gehören Verschwörungstheorien über Area 51, geheime Akten und vertuschte Begegnungen fast schon zur Popkultur. Jeder hat davon schon einmal gehört. Jeder hat sich wahrscheinlich irgendwann gefragt: „Was wäre eigentlich, wenn doch etwas dran wäre?“

Ich wollte diesen Film bis zum Schluss mehr mögen, als ich es letztendlich konnte.

Und genau mit dieser Frage spielt Disclosure Day. Nur eben anders, als ich erwartet hatte. Denn eigentlich geht es hier gar nicht so sehr um Aliens. Vielmehr dreht sich der Film um die Verschwörung selbst. Um die Menschen dahinter. Um das Verschweigen, das Vertuschen und die Mechanismen, die so etwas überhaupt möglich machen würden. Das sorgt einerseits für ein schönes Mysterium. Andererseits sitzt man irgendwann im Kino und denkt sich immer wieder: „Jetzt zeigt doch endlich mal etwas.“

Der Film hält seine Karten sehr lange zurück. Vielleicht zu lange. Und trotzdem wäre das wahrscheinlich gar nicht mein größter Kritikpunkt. Denn immer wieder merkt man Steven Spielberg an, aus welcher Zeit er kommt. Seine Sicht auf diese Welt fühlt sich stellenweise unglaublich vertraut an. Fast schon nostalgisch. Das Problem ist nur, dass diese Geschichte genau dadurch manchmal einen Ton anschlägt, der für mich nicht ganz funktioniert.

Gerade die Dynamik rund um die beiden Hauptfiguren erinnert stellenweise fast an einen Film der Achtziger. Irgendwo zwischen E.T. und dem Gefühl, das später Serien wie Stranger Things wieder aufgegriffen haben. Dieses Staunen, dieser kindliche Blick auf das Unbekannte. Und eigentlich liebe ich genau das. Aber hier beißt sich das für mich mit der eigentlichen Thematik.

Denn Disclosure Day möchte gleichzeitig über weltweite Vertuschung, politische Macht und die vielleicht größte Enthüllung der Menschheitsgeschichte erzählen. Und dann wirkt dieser fast schon märchenhafte Blick auf das Geschehen manchmal etwas fehl am Platz.

Der Film wirft viele spannende Fragen auf. Aber beantwortet erstaunlich wenige davon.

Immer wieder werden neue Ideen angerissen. Philosophische Fragen. Gesellschaftliche Konsequenzen. Die vielleicht spannendste überhaupt: „Was würde diese Wahrheit eigentlich mit uns Menschen machen?“ Doch genau dieser Gedanke wird nie wirklich vertieft. Der Film springt immer weiter zur nächsten Idee, statt sich einmal wirklich Zeit für eine davon zu nehmen.

Und das ist schade. Weil gerade darin wahrscheinlich das größte Potenzial gelegen hätte. Dabei zeigt der Film gegen Ende noch einmal, was eigentlich alles möglich gewesen wäre. Die letzten fünfzehn bis zwanzig Minuten ziehen plötzlich spürbar an. Die Bilder werden größer, die Inszenierung mutiger und man bekommt endlich genau dieses Gefühl, auf das man vorher die ganze Zeit gewartet hat. Nur kommt das alles eben sehr spät.

Zu spät, um den gesamten Film noch einmal komplett herumzureißen. Und vielleicht ist genau das mein größter Gedanke zu Disclosure Day. Das hier ist kein schlechter Film. Aber einer, der sich permanent so anfühlt, als würde er kurz davor stehen, ein großartiger Film zu werden.

Mit einer Prämisse, die unglaublich clever ist. Mit einem Regisseur, der wie kaum ein anderer für Geschichten über das Unbekannte steht. Und trotzdem bleibt am Ende das Gefühl, dass hier deutlich mehr möglich gewesen wäre. Vielleicht ist das sogar ein Film, der einfach zur falschen Zeit entstanden ist. Oder einer, der seiner Zeit ein Stück hinterherläuft. Denn das Potenzial für etwas wirklich Großes war die ganze Zeit da. Nur ausgeschöpft wurde es leider nie ganz.

Verfügbar bei: https://www.justwatch.com/de/Film/the-dish


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