Biographie, Dokumentation| Erscheinungsjahr: 2000er | Geschaut: 2000er-Heute in First Person | Schauspieler: Noah Jablonski | Regisseur: Das Schicksal/Gott? | Laufzeit: Seit 2000er noch laufend
★ Die Jury berät noch
bis hierher lief’s noch gut

Ich hatte ehrlich gesagt keine Ahnung, was mich bei Noah Jablonski erwartet. Die ersten Berührungspunkte mit diesem Werk lassen allerdings schnell vermuten, dass wir es hier mit einem Mann zu tun haben, der offenbar deutlich mehr Filme schaut, als für einen normalen Menschen gesund sein dürfte.
Noah Jablonski ist Film- und Serienkritiker, Blogger und nach eigener Definition vermutlich jemand, der „kritisch, verkopft und cinephil“ ist und „viel Meinung für teils sehr wenig Ahnung“ hat. Genau diese Mischung zieht sich erstaunlich konsequent durch sein gesamtes Werk.
Sein größtes Problem ist dabei gleichzeitig seine größte Stärke: Er hat zu allem eine Meinung. Und wenn ich wirklich alles sage, dann meine ich auch alles. Von großen Hollywood-Blockbustern über Serien und Klassiker bis hin zu Filmen, bei denen man sich irgendwann ernsthaft fragt, warum dieser Mensch dafür überhaupt Geld ausgegeben hat. Wobei die Antwort meistens lautet: „Ich muss das für den Blog wissen.“
Das Konzept ist dabei eigentlich ziemlich simpel. Filme schauen, darüber nachdenken und anschließend sehr ausführlich erklären, warum man sie entweder liebt, hasst oder irgendwo dazwischen landet. Objektivität spielt dabei ungefähr dieselbe Rolle wie ein guter Film bei Madame Web.
Was Noah dabei besonders gut macht, ist seine persönliche Herangehensweise. Seine Kritiken wollen nicht so tun, als gäbe es irgendwo eine mathematisch korrekte Antwort darauf, ob ein Film gut ist. Stattdessen geht es darum, was ein Film mit ihm macht, warum etwas funktioniert und weshalb etwas anderes vielleicht komplett gegen die Wand gefahren wurde.
Und manchmal wird dabei durchaus ein bisschen übertrieben. Sehr stark sogar. Aber genau das macht einen Teil des Unterhaltungswertes aus.
Wenn ein Film wirklich schlecht ist, wird nicht einfach geschrieben, dass er „nicht überzeugen konnte“. Dann wird schon mal die komplette Existenzberechtigung des Films infrage gestellt. Wenn ein Film dagegen gefällt, kann es passieren, dass plötzlich von Meisterwerken, moderner Filmgeschichte oder dem besten gesprochen wird, was das Genre jemals hervorgebracht hat. Eine gewisse Zurückhaltung scheint also nicht unbedingt Teil des Konzepts zu sein.
Die Inszenierung
Was mir besonders auffällt, ist der Versuch, zwischen Cinephilie und völliger Selbstironie zu balancieren. Noah kann minutenlang über Kameraarbeit, Erzählstruktur, Schauspiel oder Sounddesign reden und anschließend einen Satz schreiben, der ungefähr klingt, als hätte er drei Stunden zu viel Zeit auf Letterboxd verbracht.
Und irgendwie funktioniert genau diese Mischung. Die Texte sind persönlich, direkt und bewusst nicht wie klassische Filmkritiken geschrieben. Keine Pressemitteilung, kein akademischer Aufsatz und schon gar keine künstliche „Der Film überzeugt durch seine audiovisuelle Gestaltung“-Sprache.
Stattdessen liest es sich eher so, als würde jemand seinem Freund erzählen, warum er gerade aus dem Kino gekommen ist und dringend darüber reden muss. Das ist wahrscheinlich auch der Grund, warum sich zwischen all den Filmen irgendwann ziemlich deutlich der eigentliche Hauptcharakter dieser Website herauskristallisiert: Noah selbst.
Die Schwächen
Natürlich wäre eine ehrliche Kritik keine ehrliche Kritik, wenn sie nicht auch die Schwächen ansprechen würde. Und davon gibt es einige.
Zum einen scheint Noah gelegentlich zu vergessen, dass nicht jeder Satz mit „ehrlich gesagt“, „ich glaube“ oder „für mich“ beginnen muss. Zum anderen besteht eine gewisse Gefahr, dass aus einer ursprünglich geplanten kurzen Kritik plötzlich ein Text entsteht, der länger ist als der Film selbst.
Auch die emotionale Bindung an manche Filme kann durchaus fragwürdig werden. Es gibt Werke, bei denen man sich fragt, ob Noah gerade tatsächlich eine Filmkritik schreibt oder einfach öffentlich seine Kindheit verarbeitet und sich das Geld für eine Therapiestunde sparen möchte.
Und dann ist da noch diese Sache mit den Rankings.Noah liebt Rankings.Top 3. Top 5. Top 10. Beste Filme eines Regisseurs. Überraschungen. Enttäuschungen. Lieblingsfilme. Wahrscheinlich fehlt eigentlich nur noch eine Topliste darüber, welche Toplisten die besten Toplisten sind. Aber auch das gehört eben irgendwie dazu.
Fazit
Was bleibt also von Noah Jablonski?
Ein Filmfan, der irgendwann offenbar beschlossen hat, dass es nicht reicht, Filme einfach nur zu schauen. Er wollte darüber reden. Schreiben. Diskutieren. Und irgendwann daraus sein eigenes kleines Filmarchiv bauen.
Dabei ist das hier keine klassische Filmredaktion und soll es auch gar nicht sein. Es geht nicht darum, möglichst objektiv zu sein oder jedem Film die gleiche Behandlung zukommen zu lassen. Es geht um persönliche Meinung, Leidenschaft, Humor und darum, warum ein Film manchmal einfach etwas mit einem macht.
Und vielleicht ist genau das die größte Stärke dieses Projekts. Denn am Ende ist Noah Jablonski wahrscheinlich genau das, was er selbst gerne wäre:
Ein Typ, der viel zu viele Filme schaut, viel zu viele Gedanken dazu hat und jetzt einen Ort gefunden hat, an dem er sie alle loswerden kann.
Ob das jemand lesen möchte?
Keine Ahnung.
Aber wir haben jetzt schon angefangen.
Also machen wir weiter.
Ein überraschend persönliches Werk mit einigen unnötig langen Passagen, gelegentlicher Selbstüberschätzung und einer absurden Menge an Filmreferenzen. Trotzdem erstaunlich unterhaltsam. Eine Fortsetzung ist leider bereits in Arbeit.
