Action & Abenteuer, Animation, Fantasy | Erscheinungsjahr: 2026 | Geschaut: 2026 über Streamingdienst | Schauspieler: Eric Nam, Dave Bautista, Jessica Matten | Regisseur: Lauren Montgomery | Laufzeit: 1h 39min
★ 8,7
Länger im Eis war nur Ötzi

20 Jahre. Fast zwei Jahrzehnte musste ich darauf warten, Aang, Katara, Sokka und den Rest von Team Avatar wiederzusehen. Und ganz ehrlich: Allein diesen Satz überhaupt schreiben zu können, fühlt sich immer noch irgendwie surreal an. Ich hätte nie gedacht, dass wir diese Figuren noch einmal wiedersehen würden. Und erst recht nicht auf diese Art.
Avatar: Der Herr der Elemente ist für mich bis heute nicht nur eine meiner Lieblingsserien, sondern wahrscheinlich die beste Serie, die ich jemals gesehen habe. Gerade in einer Zeit, in der viele Serien nicht wissen, wie sie ihre Geschichte vernünftig beenden sollen, hat Avatar das schon vor Jahren vorgemacht. Drei Staffeln, ein klarer Plan und eines der besten Serienfinale überhaupt.
Als damals die ersten Gerüchte über einen neuen Animationsfilm auftauchten, war meine Vorfreude riesig. Gleichzeitig hatte ich aber auch Angst. Die Fußstapfen, in die dieser Film treten muss, sind schlicht unmenschlich. Kaum eine animierte Serie genießt bis heute einen so legendären Ruf. Umso mehr freut es mich, dass man diesem Film anmerkt, wie vorsichtig und respektvoll die Macher mit diesem Universum umgegangen sind.
Ich habe übrigens ganz bewusst darauf verzichtet, den geleakten Film vorab zu schauen. Zum einen, weil das nie im Sinne der Macher gewesen wäre. Zum anderen, weil ich gehofft habe, dass wir in Deutschland die alten Synchronstimmen zurückbekommen. Und ganz ehrlich: Deutschland hat hier komplett abgeliefert. Nicht nur einzelne Sprecher sind zurück, sondern nahezu der komplette Cast. Als ich die Figuren zum ersten Mal wieder mit ihren alten Stimmen gehört habe, hatte ich wirklich Gänsehaut.
Für einen kurzen Moment fühlte es sich an, als wäre meine Kindheit einfach wieder zurück.
Und dann diese Animation. Ich weiß ehrlich gesagt gar nicht, wie oft ich während des Films einfach nur dachte: „Wow.“ Jede Einstellung sieht wunderschön aus. Jede Landschaft, jede Stadt und jede Kampfszene steckt voller Liebe zum Detail. Diese Welt war schon in der Serie faszinierend. Jetzt sieht sie einfach atemberaubend aus. Das Worldbuilding war schon immer eine der größten Stärken von Avatar und auch hier möchte man am liebsten selbst durch den Bildschirm laufen und alles erkunden.
Die Geschichte selbst ist gut. Vielleicht nicht überragend oder auf dem Niveau der Originalserie, aber sie passt zu dieser Welt und ihren Figuren. Das Problem ist nur: Die Serie hat die Messlatte so unfassbar hoch gelegt, dass vermutlich jeder neue Film daran scheitern muss.
Genau hier liegt für mich auch der größte Kritikpunkt. Vieles fühlt sich einfach etwas zu schnell erzählt an. Während die Serie über drei Staffeln hinweg Zeit hatte, Figuren, Konflikte und vor allem Feuerlord Ozai als Antagonisten aufzubauen, muss dieser Film vieles deutlich kompakter erzählen. Dadurch fehlt einigen neuen Figuren und besonders den Gegenspielern etwas Tiefe. Ihre Beweggründe werden erklärt, aber selten wirklich fühlbar gemacht. Man versteht sie mit dem Kopf, aber nicht mit dem Herzen.
Bei Team Avatar funktioniert das dagegen sofort. Die Chemie zwischen den Figuren ist noch genauso stark wie früher. Es fühlt sich an, als hätte man alte Freunde nach vielen Jahren wiedergetroffen. Genau deshalb tragen einen diese Charaktere auch durch die etwas schwächeren Momente der Geschichte.
Man merkt einfach, warum diese Figuren bis heute so beliebt sind.
Vielleicht vergeht der Film deshalb auch so schnell. Nicht, weil er gehetzt wäre, sondern weil man einfach nicht möchte, dass diese Reise schon wieder vorbei ist. Ich könnte wahrscheinlich noch Stunden oder sogar Tage in dieser Welt verbringen, ohne dass sie mich langweilen würde.
Was ich überhaupt nicht nachvollziehen kann, ist der Vorwurf, dieser Film sei nur ein seelenloser Cashgrab. Dieses Gefühl hatte ich zu keiner Sekunde. Natürlich ist nicht alles perfekt. Natürlich hätte man sich hier und da mehr Zeit für Figuren und Handlung gewünscht. Aber man merkt in jeder Szene, dass hier Menschen gearbeitet haben, die Avatar verstehen und respektieren. Für mich wirkte dieser Film nie wie ein liebloses Wiederaufwärmen, sondern wie eine ehrliche Liebeserklärung an diese Welt.
Umso trauriger macht mich allerdings eine andere Entscheidung. Dass Paramount diesen Film nicht regulär ins Kino gebracht hat, werde ich ihnen wahrscheinlich noch lange übel nehmen. Ich habe wirklich versucht, das Beste daraus zu machen und mir zuhause mit Beamer und Leinwand ein kleines Kino aufzubauen. Aber dieser Film gehört auf die große Leinwand. Punkt. Diese Bilder, diese Musik und diese Welt hätten es verdient gehabt, gemeinsam mit hunderten anderen Fans erlebt zu werden.
Ich verstehe jeden, der mit diesem Film seine Probleme hat. Einige davon teile ich sogar.
Trotzdem kann ich meine Gefühle dabei nicht ausblenden. Während des Films habe ich mich immer wieder wie das kleine Kind gefühlt, das damals nach der Schule unbedingt die nächste Folge Avatar sehen wollte. Und allein dieses Gefühl ist für mich unbezahlbar.
Vielleicht musste dieser Film gar nicht perfekt sein. Vielleicht musste er mich einfach nur noch einmal nach Hause bringen. Und genau das hat Avatar Aang: Der letzte Luftbändiger geschafft.
Jetzt bleibt eigentlich nur noch eine Hoffnung: Dass wir noch viele weitere Geschichten aus dieser Welt erleben dürfen. Denn wenn mich Avatar eines gelehrt hat, dann, dass ich mich wahrscheinlich nie sattsehen werde.
Verfügbar bei: https://www.justwatch.com/de/Film/aang-the-last-airbender-2026

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