Your Friends & Neighbors S2

5 Minuten

Krimi, Drama | Erscheinungsjahr: 2026 | Geschaut: 2026 über Streamingdienst | Schauspieler: Jon Hamm, Amanda Peet, Hoon Lee, Olivia Munn, James Marsden

 7,6 

2. Staffel 10 Folgen:

Die erste Staffel von Your Friends & Neighbors hat mir überraschend gut gefallen. Was eigentlich als kurzweilige Unterhaltung für zwischendurch angefangen hat, wurde ziemlich schnell zu einer Serie, die ich einfach am Stück durchschauen konnte. Und dieses Gefühl hat die zweite Staffel bei mir zu keinem Zeitpunkt verloren.

Der absolute Anker der Serie bleibt dabei Jon Hamm. Ich glaube, man könnte ihm mittlerweile fast alles geben und er würde es irgendwie schaffen, eine Serie allein durch sein Charisma und seine Leichtigkeit zu tragen. Auch hier funktioniert Coop vor allem deshalb so gut, weil Hamm diese Mischung aus Selbstüberschätzung, Verzweiflung, Humor und innerer Leere unglaublich gut zusammenbekommt.

Er ist gleichzeitig jemand, über den man lachen kann und jemand, mit dem man irgendwann tatsächlich mitfühlt.

Was mir in der zweiten Staffel besonders gefallen hat, ist, dass einige Figuren deutlich mehr Tiefe bekommen. Charaktere, die in der ersten Staffel teilweise noch etwas oberflächlich wirkten oder eher am Rand standen, bekommen mehr Raum und dadurch wird auch das Umfeld von Coop interessanter. Für mich spielt hier allerdings auch die mit großem Abstand beste Folge der gesamten Serie.

Auf den ersten Blick bleibt Your Friends & Neighbors natürlich das, was sie schon in Staffel 1 war: eine ziemlich bissige Satire auf die amerikanische Oberschicht. Geld, Status, Luxus und diese völlig absurde Vorstadtwelt werden weiterhin wunderbar überzeichnet. Aber je länger man zuschaut, desto mehr Unterthemen schleichen sich in die Serie ein.

Und vor allem Coop selbst wird dabei immer interessanter. Er ist nicht nur eine personifizierte Kritik an dieser Oberschicht, sondern gleichzeitig ein überspitztes Spiegelbild für Männer, die langsam ins fortgeschrittene Alter kommen und sich fragen, was eigentlich aus ihrem Leben geworden ist. Ich glaube, dass sich gerade viele Männer in Coop wiederfinden können. Vielleicht nicht in seinem konkreten Verhalten, aber in diesem Gefühl, irgendwann einfach mal einen F*ck geben und Scheiße bauen zu wollen.

Denn das Leben hat einen schließlich schon oft genug gef*ckt. Da kann man es vielleicht auch mal zurückf*cken.

Und ja, ich habe mich dabei selbst an einigen Stellen wiedererkannt. Gerade in der Beerdigungsfolge wurde mir das extrem bewusst. Diese Folge hat mich tatsächlich unglaublich getroffen. Es passiert um Coop herum so unfassbar viel, aber seine Mimik bleibt für die meisten Menschen fast unverändert. Und trotzdem passiert in seinem Gesicht unglaublich viel. Zweifel, Schmerz, Wut, Erschöpfung und Gedanken, die er niemals ausspricht. Er bleibt einfach ruhig. Nicht weil es ihm egal ist. Sondern weil er müde ist.

Müde von seiner Familie, seinen Freunden, dem Geld und irgendwie auch vom Leben selbst. Dieses Gefühl, eigentlich komplett ausrasten zu wollen, aber irgendwann einfach keine Energie mehr dafür zu haben, weil es sich sowieso nicht lohnt, fand ich unglaublich stark dargestellt.

Und genau hier zeigt die Serie für mich auch ein ziemlich großes Problem der Männerwelt. Coop ist der Typ, der offensichtlich mit seinen Gefühlen kämpft, aber gleichzeitig überhaupt nicht gelernt hat, darüber zu sprechen. Er macht Witze, baut Scheiße und versucht irgendwie weiterzumachen. Das ist natürlich ein ziemlich klassisches Männerklischee. Aber gerade deshalb funktioniert es.

Your Friends & Neighbors ist deswegen definitiv keine reine Männerserie. Das möchte ich gar nicht behaupten. Aber ich glaube schon, dass gerade Männer in einer bestimmten Lebensphase einiges von Coops Gedanken und seiner Art nachvollziehen können.

Vielleicht lebt er teilweise einfach das aus, was viele gerne machen würden. Einfach mal alles stehen lassen und sagen: Scheiß drauf.

Der Unterhaltungswert bleibt dabei weiterhin extrem hoch. James Marsden bringt mit seiner Figur noch einmal einen ganz anderen Schwung in die Serie. Seine aufgedrehte Art schießt für mich zwar manchmal etwas über das Ziel hinaus, aber gleichzeitig ist er ein ziemlich guter Kontrast zu diesem sonst so kontrollierten Schicki-Micki-Vorstadtleben.

Trotzdem muss ich sagen, dass die Serie bei ihrer Handlung einige Probleme mit sich herumschleppt. Die Logiklöcher, die bereits in der ersten Staffel vorhanden waren, werden hier leider nicht weniger, sondern teilweise sogar noch größer. Vieles funktioniert nur, wenn man nicht zu lange darüber nachdenkt. Bisher konnte ich darüber hinwegsehen, aber da die Serie offensichtlich auf weitere Staffeln hinausläuft, könnte genau das irgendwann zu einem größeren Problem werden.

Auch wenn einige Figuren jetzt mehr Tiefe bekommen, bleibt die Serie an anderen Stellen erstaunlich oberflächlich. Teilweise habe ich sogar das Gefühl, dass der Fokus auf den falschen Dingen liegt. Besonders die Geschichte rund um den Nachbarschaftsstreit mit dem Hund fand ich ziemlich belanglos. Ich verstehe, was die Serie damit erzählen wollte, aber dafür wurde mir einfach zu viel Zeit investiert.

Auch bei der Vorhersehbarkeit hat sich leider nicht besonders viel verändert. Es gibt ein oder zwei nette Twists, aber sobald man die Gangart der Serie verstanden hat, kann man vieles doch ziemlich schnell kommen sehen. Noch problematischer finde ich allerdings, dass manche Konsequenzen nicht wirklich Konsequenzen bleiben.

Die Serie schafft es hervorragend, am Ende einer Folge ein Problem so groß wirken zu lassen, dass man unbedingt wissen möchte, wie es weitergeht.

Und dann startet die nächste Folge, zehn Minuten später ist vieles wieder halbwegs belanglos und man fragt sich, warum gerade eigentlich so ein großes Drama daraus gemacht wurde. Das ist schade, weil Your Friends & Neighbors eigentlich zeigen könnte, wie viel Konsequenz in dieser Geschichte stecken könnte. Und trotzdem. Ich hatte auch mit Staffel 2 wieder unglaublich viel Spaß.

Vielleicht ist genau das die größte Stärke dieser Serie. Sie ist nicht perfekt. Teilweise ist sie sogar ziemlich unlogisch. Manche Handlungsstränge sind vorhersehbar und andere hätte man sich meiner Meinung nach komplett sparen können. Aber sobald Jon Hamm wieder irgendwo in diesem absurd teuren Vorort herumläuft und versucht, sein Leben irgendwie zusammenzuhalten, bin ich wieder dabei.

Denn unter all der Satire, dem Geld und dem ganzen Schicki-Micki steckt mittlerweile eine Serie über einen Mann, der langsam merkt, dass sein Leben nicht so geworden ist, wie er es sich einmal vorgestellt hat. Und vielleicht ist Your Friends & Neighbors genau deshalb für mich mittlerweile so etwas wie ein Safe Space für Männer in ihrer Midlife-Crisis. Nur eben mit deutlich mehr Geld, Diebstahl und vermutlich deutlich schlechteren Entscheidungen.

Verfügbar bei: https://www.justwatch.com/de/Serie/your-friends-and-neighbors/Staffel-2


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