Horror | Erscheinungsjahr: 2026 | Geschaut: 2026 im Kino | Schauspieler: Austin Abrams, Paul Walter Hauser, Kali Reis | Regisseur: Zach Cregger | Laufzeit: 1h 34min
★ 7,4
Eigentlich mag ich doch Kinder

Die Resident Evil-Reihe hatte es mit ihren Verfilmungen fürs Kino und das breite Publikum noch nie besonders leicht. Zwar gab es über die Jahre immer wieder Filme, die zumindest ihre eigene Fanbase gefunden haben, aber so richtig das Gefühl, dass hier die Videospielvorlage verstanden und vernünftig auf die große Leinwand gebracht wurde, hatte ich eigentlich nie. Jetzt sollte es also Zach Cregger richten. Dass der Mann hinter der Kamera etwas kann, hat er in den vergangenen Jahren bereits bewiesen. Und ohne zu viel vorwegzunehmen: Das hat er auch hier gezeigt. Denn was die reine Qualität des Films angeht, ist das hier mit riesigem Abstand das Beste, was Resident Evil bisher auf der großen Leinwand bekommen hat.
Und trotzdem bin ich etwas zwiegespalten aus dem Kino gekommen. Denn zunächst einmal macht dieser Film verdammt viel Spaß. Innerhalb seiner rund 90 Minuten bekommt man eine wirklich unterhaltsame Mischung aus Horror, Spannung und Humor geboten, die gerade in der ersten Hälfte erstaunlich gut funktioniert. Man wird immer wieder in Situationen geworfen, die einen erschrecken, zum Lachen bringen oder einfach nur mit offenem Mund dasitzen lassen. Die Balance zwischen diesen verschiedenen Elementen hält der Film dabei über weite Strecken richtig gut. Man möchte unbedingt wissen, wie es weitergeht, und wird von einer Situation in die nächste geworfen. Doch je länger ich über den Film nachdenke, desto mehr stellt sich bei mir eine Frage:
Was genau wollte Zach Cregger hier eigentlich aus Resident Evil machen?
Denn der Regisseur hat selbst immer wieder betont, wie groß seine Liebe zur Videospielreihe ist und dass er die Spiele selbst gespielt hat. Sein Ziel war es offenbar, dieses Gefühl einzufangen, das man selbst erlebt, wenn man einen Resident Evil-Teil spielt. Und genau da liegt für mich das große Problem. Welchen Teil meint er denn?
Die Videospielreihe existiert mittlerweile seit Jahrzehnten und hat sich in dieser Zeit mehrfach komplett neu erfunden. Nicht nur spielerisch, sondern auch erzählerisch. Manche Teile bauen direkt aufeinander auf, andere schlagen völlig neue Wege ein und wieder andere scheinen selbst nicht mehr ganz genau zu wissen, wo sie innerhalb der eigenen Lore eigentlich stehen. Natürlich gibt es mit der Umbrella Corporation, Raccoon City und Figuren wie Leon gewisse Konstanten, die sich durch die Reihe ziehen. Aber auch diese Elemente werden längst nicht in jedem Teil aufgegriffen.
Und so saß ich irgendwann im Kino und wusste nicht mehr ganz, ob das hier jetzt Fisch oder Fleisch sein soll. Denn Cregger lässt seinen eigenen Ideen durchaus freien Lauf. Er erfindet Figuren, erschafft neue Monster und versucht gleichzeitig, bekannte Elemente aus den Spielen einzubauen. Das Ergebnis ist ein Film, der sich einerseits durchaus nach einer eigenständigen Horrorvision anfühlt, andererseits aber immer wieder mit seiner Videospielvorlage flirtet.
Nur ergibt diese Mischung für mich nicht immer ein stimmiges Gesamtbild.
Besonders häufig habe ich mich dabei gefragt, ob bestimmte Szenen als liebevolle Hommage an die Videospiele gedacht sind oder ob sich der Film eigentlich über sie lustig machen möchte. Ein Beispiel dafür sind die zahlreichen verschlossenen Türen und Schlösser, mit denen unsere Hauptfigur Bryan (Austin Abrams) immer wieder konfrontiert wird. Wer die Spiele kennt, weiß natürlich, worauf das anspielt. Da sammelt man Schlüssel, findet irgendwelche Gegenstände und muss erst einmal herausfinden, welche Tür sich damit überhaupt öffnen lässt. Das gehört einfach zum klassischen Resident Evil-Spielgefühl dazu.
Bryan (Austin Abrams) versucht hier dagegen regelmäßig, die Schlösser einfach mit einer Waffe aufzuschießen. Was meistens eher so semi funktioniert. Und grundsätzlich finde ich solche Ideen gar nicht schlecht. Im Gegenteil. Genau diese Art von Humor kann wunderbar funktionieren, wenn man die Eigenheiten einer Videospielreihe aufgreift und sie in einen Film überträgt. Nur stellt sich für mich irgendwann die Frage:
Ist das hier noch eine liebevolle Anspielung ist oder nimmt der Film seine eigene Vorlage ein bisschen zu sehr auf die Schippe?
Generell spielt Humor in Resident Evil eine ziemlich große Rolle. Und ich kann mir durchaus vorstellen, dass sich daran die Geister scheiden werden. Bryan (Austin Abrams) ist eine Figur, mit der vermutlich nicht jeder etwas anfangen kann. Er ist auf eine sehr eigene Art geschrieben, kommentiert immer wieder das absurde Geschehen um sich herum und nimmt dadurch teilweise ganz bewusst das Tempo aus den Szenen.
Ich persönlich muss an dieser Stelle allerdings auch einmal eine Lanze für die deutsche Synchronisation brechen. Ich habe einige Szenen bereits in der Originalfassung gesehen und finde tatsächlich, dass die deutsche Version gerade bei Bryans (Austin Abrams) Kommentaren noch einmal ordentlich punktet. Die Betonungen sitzen, die Sprüche funktionieren und vor allem entsteht dadurch viel stärker das Gefühl, dass hier ein völlig überforderter junger Mann versucht, sich selbst Mut zu machen, während um ihn herum der komplette Wahnsinn ausbricht. Und das funktioniert erstaunlich gut.
Trotzdem gibt es auch Szenen, in denen mir der Humor einfach zu weit geht. Dann fühlt sich das Ganze weniger nach einer Szene aus einem Horrorfilm an und mehr nach einem Comedy-Sketch, der zufällig zwischen zwei Monsterszenen gelandet ist. Besonders die Autoszene, in der Bryan (Austin Abrams) scheinbar gerettet wird, ist mir dabei im Gedächtnis geblieben. Hier treffen für mich nicht nur der unpassende Humor, sondern auch einige ziemlich fragwürdige Entscheidungen der Figuren aufeinander. Und das sollte nicht das letzte Mal sein.
Das ist deshalb so schade, weil der Film gerade zu Beginn eine wirklich starke Mischung aus Wahnsinn, Grusel und Humor findet.
Man weiß nie so richtig, was als Nächstes passiert, und genau dadurch entsteht eine gewisse Unberechenbarkeit, die dem Film ausgesprochen gut steht. Wenn der Humor dann aber die Spannung komplett ausbremst, verliert Resident Evil etwas von dem, was ihn vorher so unterhaltsam gemacht hat. Was mich allerdings noch mehr beschäftigt, ist die Frage nach dem eigentlichen Resident Evil-Gefühl.
Denn aus cineastischer Sicht ist das hier wirklich gut gemacht. Der Film sieht fantastisch aus, die Kameraeinstellungen sind teilweise hervorragend gewählt und der Spannungsaufbau funktioniert über weite Strecken richtig gut. Auch der blutige Faktor passt wunderbar zur Stimmung. Dazu kommt ein Sounddesign, das an den richtigen Stellen ordentlich reinhaut. Manche Schreckmomente kommen tatsächlich so unberechenbar, dass ich im Kino mehr als einmal zusammengezuckt bin. Nur hat das alles für mich in den ersten 30 bis 40 Minuten erstaunlich wenig mit dem zu tun, was ich persönlich mit Resident Evil verbinde.
Weder der Einstieg noch die Handlung oder das Setting vermitteln mir zunächst wirklich das Gefühl, einen Film über diese Videospielreihe zu sehen. Und genau dadurch entsteht ein Eindruck, den ich leider schon von anderen Videospielverfilmungen kenne: Als hätte man hier zunächst einen eigenständigen Horrorfilm gedreht, bis irgendwann ein Studioboss hereinkam und meinte, dass man doch noch diese bekannte Marke auf das Ganze kleben könnte.
Also baut man hier eine Schreibmaschine ein, deutet dort den Munitionsmangel an und lässt irgendjemanden noch einmal das Wort Umbrella sagen. Fertig ist Resident Evil. Und ich möchte gar nicht behaupten, dass ein Film jede einzelne Mechanik aus einem Videospiel übernehmen muss. Ganz im Gegenteil. Eine gute Adaption sollte verstehen, was die Vorlage besonders macht, und daraus etwas Eigenes entwickeln. Aber genau hier bin ich mir nicht sicher, ob Cregger wirklich eine klare Vorstellung davon hatte, welche Aspekte der Reihe er in den Mittelpunkt stellen möchte.
Denn wenn ich einen Film sehe, der sich einerseits über bestimmte Spielmechaniken lustig macht, andererseits neue Figuren und Monster einführt und gleichzeitig versucht, möglichst viele bekannte Elemente unterzubringen, dann wirkt das auf mich irgendwann etwas beliebig. Nicht, weil die einzelnen Ideen grundsätzlich schlecht wären, sondern weil sie zusammen nicht immer ein stimmiges Ganzes ergeben.
Und genau deshalb bin ich auch beim Ende zwiegespalten.
Ich hatte während des Films wirklich viel Spaß, wurde gut unterhalten und konnte mich auf die verrückte Mischung einlassen. Gleichzeitig gab es immer wieder Momente, in denen ich mich gefragt habe, ob hier gerade tatsächlich eine Geschichte aus dem Resident Evil-Universum erzählt wird oder ob ich einfach einem sehr guten Horrorfilm dabei zusehe, wie er versucht, eine bekannte Marke mit sich herumzutragen.
Das ist für mich ein entscheidender Unterschied. Denn Resident Evil hat über die Jahre genügend interessante Figuren, Monster, Schauplätze und Geschichten hervorgebracht, aus denen man einen großartigen Film machen könnte. Man muss nicht alles miteinander verbinden. Man muss nicht jede Ära berücksichtigen und auch nicht versuchen, möglichst viele bekannte Elemente in 90 Minuten unterzubringen.
Vielleicht wäre es sogar besser gewesen, sich auf einen bestimmten Teil der Reihe zu konzentrieren. Auf eine Ära, eine bestimmte Atmosphäre und genau die Mechaniken, die diesen Abschnitt der Spiele ausgemacht haben. Denn die Reihe hat sich so oft verändert, dass sie mittlerweile selbst kaum noch eine einheitliche Identität besitzt. Und vielleicht ist genau das die Falle, in die dieser Film teilweise tappt.
Er versucht, Resident Evil als Ganzes auf die große Leinwand zu bringen, statt sich auf das zu konzentrieren, was einen bestimmten Teil dieser Reihe so besonders gemacht hat. Und trotzdem möchte ich den Film keineswegs schlechtreden. Dafür hatte ich während des Schauens einfach zu viel Spaß. Die Inszenierung ist stark, der Horror funktioniert, der Humor trifft häufig ins Schwarze und Cregger beweist einmal mehr, dass er ein verdammt gutes Gespür dafür hat, wie man Zuschauer bei der Stange hält.
Nur reicht das für mich eben nicht ganz aus, um auch als Resident Evil-Film vollständig zu funktionieren.
Am Ende bleibt deshalb ein Film, der mich einerseits begeistert und andererseits mit einigen Fragezeichen zurücklässt. Einerseits ist das hier mit Abstand die beste Kinoadaption, die diese Videospielreihe bisher bekommen hat. Andererseits verliert sich der Film stellenweise in seinen eigenen Ideen und schafft es nicht immer, das Gefühl der Vorlage wirklich einzufangen.
Vielleicht liegt das auch daran, dass Resident Evil mittlerweile selbst nicht mehr genau weiß, was es sein möchte. Vielleicht hätte man sich einfach auf einen bestimmten Teil konzentrieren müssen, statt aus mehreren Jahrzehnten Videospielgeschichte einen einzigen Film zusammenzubauen.
Denn so gut dieser Film als Horror-Unterhaltung auch funktioniert: Ich bin mir nicht sicher, ob er wirklich verstanden hat, was Resident Evil eigentlich zu Resident Evil macht.
Verfügbar bei: https://www.justwatch.com/de/Film/resident-evil

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