Drama, Krimi, Action, Thriller | Erscheinungsjahr: 2022 | Geschaut: 2022 über Streamingdienst | Schauspieler: Alan Ritchson, Maria Sten, Malcolm Goodwin | 8 Folgen
★ 8,7
Der Große Mann von Amazon

Reacher kam mit großem Tam-Tam in unser aller Heimkino. Nachdem sich bereits Tom Cruise in den 2010er Jahren am von Lee Child erschaffenen Universum versucht hatte, startete Prime Video zusammen mit Alan Ritchson einen neuen Versuch – und soll dabei deutlich näher an der Buchvorlage sein und bedienten sich dabei ein seinen Roman „Größenwahn“. Und was soll ich sagen? Reacher macht einfach extrem Spaß: Im Stil der alten Action-Klassiker à la Stallone oder Schwarzenegger bringt Reacher Oldschool-Vibe mit moderner Aufmachung auf den Bildschirm. Dabei blitzen immer wieder Detektiv-Anlehnungen wie Holmes oder Wayne durch, und er hat stets einen zynischen Spruch auf den Lippen. Die Serie glänzt eben genau durch diese Aspekte: Charaktere und Action stehen im Vordergrund und wachsen einem schnell ans Herz. Vor allem Alan Ritchson ist gleichermaßen cool wie liebenswert und funktioniert in der Dynamik mit seinen Co-Schauspielern immer wieder aufs Neue herausragend gut. Die Dialoge sind essenziell dafür, dass die Serie auch abseits der Action extrem Spaß macht – neben harten Schlägen braucht es eben auch Substanz und ein paar lockere Sprüche. Die Handlung ist meist nicht die tiefgründigste, schafft es aber, ein solides Konstrukt zu bieten, in dem es spannend bleibt, Reacher zu folgen.
In der ersten Staffel gerät der ehemalige Militärpolizist Jack Reacher in ordentliche Schwierigkeiten und wird in der Kleinstadt Margrave, Georgia, wegen Mordes in einem Diner verhaftet. Schnell wird klar, er ist in etwas hineingeraten, das er gar nicht will: eine tiefgreifende Verschwörung, die bis in höchste Ebenen reicht. Doch als es ihn auch persönlich betrifft, hat Reacher keine andere Wahl, als die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Zusammen mit der Polizistin Roscoe (Willa Fitzgerald) und Detective Finlay (Malcolm Goodwin) versuchen sie, die Verschwörung aufzudecken und zu zerschlagen.
Während ich diese Kritik schreibe, habe ich diese Staffel bereits zum dritten Mal geschaut, und das muss schon einiges heißen. Jedes Mal beim Schauen hat diese Serie etwas ganz Eigenes an sich, mittlerweile ist sie schon fast wie ein Safe-Place geworden, und ich habe immer wieder extremen Spaß daran, die Serie zu schauen und in die Welt von Reacher einzutauchen. Dabei ist die Handlung nicht unbedingt der herausstechende Faktor, sondern vielmehr die Charaktere, das Setting sowie der Look. Die Serie hat einen gewissen Western-Touch, und durch das Colour-Grading bekommt das Bild einen leichten Gelbton. So unterstreicht der Look den Oldschool-Touch der Charaktere um Reacher herum und gibt dem Zuschauer das altbekannte Gefühl aus Klassikern der Vergangenheit. Ein großer, wortkarger Held taucht in einer Kleinstadt auf und bekämpft im Alleingang die Ungerechtigkeit, handelt aber dabei in einer Grauzone, sodass die unschuldige und pflichtbewusste Kleinstadtpolizistin im Zwiespalt ist, wie viel sie ihm noch durchgehen lassen kann. Doch obwohl sie auch abgeneigt von seinem Handeln ist, ist sie im Inneren durch seine starke und fesselnde Art zu ihm hingezogen. Tja, das kennen wir halt bereits aus alten Action-Klassikern, und genau dieses alte Gefühl bringt Reacher frisch poliert wieder zurück und schafft es dabei, mit einem kleinen Augenzwinkern alles in einem neuen Setting zu verpacken.
Dabei bleibt Reacher der Buchvorlage deutlich näher als die Filme es getan haben – und das ist auch gut so. Wir sehen hier durch die Verkörperung von Alan Ritchson einen deutlich authentischeren und detailgetreueren Jack Reacher als noch durch Tom Cruise. Seine physische Stärke und Präsenz, seine Abneigung vieler Worte, aber auch sein scharfsinniger Charakter werden perfekt eingefangen. All das hilft Alan Ritchson vor allem in den Actionsequenzen, denn wie für einen Reacher-Roman üblich, langt der Titelheld auch mal sehr gerne zu und lässt lieber die Fäuste sprechen als seinen Mund. Die Handkämpfe sind für eine eigentlich noch recht kleine und unbekannte Produktion echt gut gemacht. Sie sind intensiv, realistisch und setzen viel lieber auf praktische Choreografien, anstatt unnötig auf CGI zurückzugreifen.
Abschließend lässt sich sagen, dass Reacher sicherlich nichts völlig Neues erzählt, was es nicht schon tausendmal gab, aber trotzdem schafft die Staffel eine gute Balance zwischen fesselnder Story, sehr guter Charakterzeichnung und mitreißender Action. Wer noch nicht wusste, ob er Reacher eine Chance geben soll, sollte es tun – nicht nur Buch-Fans werden mit dieser Serie Spaß haben.
Verfügbar bei: https://www.justwatch.com/de/Serie/Jack-Reacher/Staffel-1

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