Drama, Horror, Mystery | Erscheinungsjahr: 2026 | Geschaut: 2026 im Kino | Schauspieler: Jeremy Irvine, Hannah Emily Anderson, Evie Templeton | Regisseur: Christophe Gans | Laufzeit: 1h 46min
★ 3,4
Eine Beleidigung für eine Videospielreihe

Die Silent Hill-Reihe hat generell ein ziemlich großes Problem. Auf der einen Seite stehen die Fans, für die die Spiele gefühlt heilig sind und bei denen jede Abweichung von der Vorlage sofort dazu führt, dass eine Adaption komplett zerrissen wird. Und auf der anderen Seite sitzen dann irgendwelche Menschen hinter Kameras oder in Meetingräumen und überlegen sich, wie man denn mal wieder einen neuen Silent Hill-Film machen könnte, während sie dabei scheinbar nicht ganz verstanden haben, was die Spiele eigentlich so besonders macht.
Besonders schön wird das immer dann, wenn beliebte Figuren oder Elemente aus den Spielen einfach zusammengeklaut und in einen Film geworfen werden, obwohl Figur XY dort eigentlich überhaupt nicht hingehört oder Storyelement A in diesem Setting normalerweise gar keine Rolle spielt. Das ist natürlich gefundenes Fressen für Fans und Kritiker. Und so kommt es dann, dass selbst die von Kritikern wohlwollendste Adaption von 2006 für viele Fans nicht einmal gut genug war.
Naja, also dachte sich ein Filmstudio wohl, die Marke liegt jetzt lange genug herum und man könnte ja mal wieder etwas damit machen. Und wer wäre dafür besser geeignet als der Mann hinter der Kamera, der zumindest vor knapp 20 Jahren die Kritiker halbwegs zufriedenstellen konnte? Und was kommt dabei raus?
Ein Film, der die Reihe und ihre Figuren abermals absolut nicht verstanden hat.
Wobei ich ihm zumindest zugutehalten muss, dass man hier teilweise tatsächlich merkt, dass die Macher auf die Fans gehört haben. Das Problem ist nur: Sie haben offenbar an den komplett falschen Stellen zugehört. Das hier ist ein absoluter LSD-Trip. Wobei man sich nach ungefähr zehn Minuten offenbar gedacht hat: Die Dinger kicken noch nicht genug, also nehmen wir noch ein paar Pilze dazu, damit es richtig knallt.
Ich war im Kino teilweise wirklich geschockt darüber, wie wenig das hier mit der Videospielvorlage zu tun hat und was für – ich nenne es mal netterweise – „Handlungsstränge“ man sich hier ausgedacht hat. Das meiste, was ich während des Films gemacht habe, war nicht mich zu erschrecken. Ich habe vielmehr den Kopf geschüttelt und mir an die Stirn gefasst.
Das Einzige, was ich dem Film wirklich zugutehalten kann, ist das, was er aus den Spielen übernimmt. Die Stadt sieht visuell teilweise ziemlich gut aus und auch die Monster sind fantastisch inszeniert. Aber genau da liegt halt auch schon das Problem:
Das Gute war bereits da. Und zwar in den Spielen.
Wenn das also das Einzige ist, was ich an einem Silent Hill-Film wirklich hervorheben kann, weiß ich eigentlich schon alles, was ich über diesen Film wissen muss. Denn auch bei den Schauspielern wird es teilweise wirklich katastrophal. Jeremy Irvine habe ich zu keiner Sekunde sein Trauma abgekauft. Geschweige denn hat für mich in den Rückblenden die Chemie zwischen ihm und Hannah Anderson funktioniert. Überhaupt funktioniert Irvine für mich als Hauptfigur überhaupt nicht. Die Emo-Depri-Szene in seiner Wohnung im Regen fand ich dabei besonders schlimm.
Das größte Problem ist aber, dass Irvine diesen Film zu keiner Sekunde tragen kann. Er schafft es nirgends, auch nur im Ansatz eine emotionale Bindung zu uns Zuschauern aufzubauen. Wir sollen mit ihm mitfiebern, wir sollen wollen, dass er Mary findet und dass die beiden am Ende vielleicht doch noch ein glückliches Leben führen können. Aber warum eigentlich? Das Ganze ist mir schlichtweg komplett egal.
Und wenn mir das Schicksal der Hauptfigur egal ist, dann kann der Film noch so oft versuchen, Spannung aufzubauen.
Und dann biegt der Film irgendwann endgültig gegen die nächste Wand, weil er anfängt, auch das einzig halbwegs Funktionierende zu verlassen. Christophe Gans dachte sich nämlich offenbar, dass es eine gute Idee wäre, seine eigene kleine Note einzubauen und die Geschichte noch ein bisschen zu erweitern.
Also gibt es hier plötzlich diesen Kult/Sekte, der Mary oder ihre Familie angehört. Nur gibt es das so in den Spielen überhaupt nicht. Und natürlich macht das den Film nicht besser. Im Gegenteil. Dadurch wird alles nur noch wirrer und verrückter, bis sich der Film am Ende in seinen eigenen Erklärungen und seiner gefühlt endlosen Exposition komplett selbst verliert. Es wird immer mehr erklärt, immer mehr miteinander verbunden und immer weniger ergibt davon tatsächlich Sinn.
Und dann kommt das Finale. Oder zumindest das, was der Film für ein Finale hält. Denn wirklich aufgelöst wird hier eigentlich gar nichts mehr. Stattdessen werden noch ein paar sehr vage Bruchstücke aus den Spielen aneinandergereiht, dazu gibt es CGI, die teilweise aussieht, als wäre sie direkt aus einer PlayStation 1 oder einem N64 gefallen, und dann ist Schluss.
Dem Film fehlt es an allen Ecken und Enden an Dramatik, Spannung und vor allem an Verständnis für die Spiele.
Und genau das ist für mich das eigentlich Unverständliche. Es ist ja nicht so, dass die Spiele zu wenig vorgeben würden. Ganz im Gegenteil. Diese Reihe hat eine derart große Welt, eigene Figuren, eine eigene Atmosphäre und unzählige Geschichten, aus denen man etwas machen könnte.
Aber Return to Silent Hill schafft es konsequent, bei nahezu jeder Gelegenheit die falsche Entscheidung zu treffen. Und so kommt am Ende ein Film dabei heraus, der teilweise schrecklich aussieht, keinen wirklichen Spaß macht, schlecht gespielt ist und den Spielen in nahezu keiner Hinsicht gerecht wird.
Das hier ist kein Return to Silent Hill. Das hier ist eher ein sehr langer Umweg daran vorbei.
Verfügbar bei: https://www.justwatch.com/de/Film/return-to-silent-hill

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