Krimi, Drama | Erscheinungsjahr: 2026 | Geschaut: 2026 im Kino | Schauspieler: Anne Hathaway, Dakota Johnson, Josh Hartnett | Regisseur: Michael Showalter | Laufzeit: 1h 54min
★ 2,3
Ich glaube, die Welt hat das Wort ‚Bestsellerautor‘ manchmal etwas zu locker definiert

Es gibt Filme, bei denen ich mich frage, warum ich sie überhaupt gesehen habe. Und dann gibt es Verity, einen Film, bei dem ich mich frage, ob meine Freundin mir jemals wieder die Kontrolle über unsere Kinobesuche überlässt
Aber von vorne. Meine Freundin ist eine absolute Leseratte. Sie verschlingt Bücher schneller, als ich mir neue Filme auf meine Watchlist packen kann. Ausgerechnet eine ihrer absoluten Hassautorinnen bekommt momentan allerdings eine Buchverfilmung nach der anderen: Colleen Hoover. Und wie es das Schicksal so wollte, kommt jetzt auch noch eine Verfilmung zu dem einzigen Buch heraus, das meine Freundin tatsächlich von ihr gelesen hat. Also habe ich sie nach langem Überreden in Verity geschleppt. Meine Idee: Egal, wie schlecht der Film werden würde, wir könnten uns wenigstens gemeinsam über die Dialoge lustig machen. Oh, wie naiv ich doch war.
Mittlerweile sehe ich auf Social Media, wie unzählige arme Schweine von ihren Freundinnen in Verity gezerrt werden, weil der Roman ja ach so toll sein soll. Und dann spielen auch noch Anne Hathaway (Ich hoffe wirklich, dass sie dafür ordentlich Kohle bekommen hat) und Dakota Johnson mit. Zwei ach so großartige Schauspielerinnen, die dem Ganzen doch bestimmt etwas Qualität verleihen werden. Dakota schuldet mir übrigens immer noch Schmerzensgeld für Madame Web.
Denn ich muss zugeben: Ich hatte nicht damit gerechnet, dass dieser Film so schlimm werden würde. Ich dachte, wir bekommen einen unterhaltsam schlechten Thriller, über den wir uns zwei Stunden lang lustig machen können. Stattdessen bekam ich das Gefühl, dass meine Gehirnzellen kollektiv ihren Arbeitsvertrag gekündigt haben.
Es dauerte exakt zwei Sätze, bis ich verstanden habe, was meine Freundin an Colleen Hoover so unfassbar schlecht findet.
Und ich übertreibe wirklich nicht, wenn ich sage, dass ich in meinem gesamten Leben noch nie so beschissene Dialoge gehört habe. Hier ergibt einfach überhaupt nichts Sinn. Menschen reden miteinander, als hätten sie gerade erst gelernt, wie Kommunikation funktioniert, und selbst dann wäre das noch eine Beleidigung für jeden Erstklässler.
Ich konnte förmlich hören, wie meine Gehirnzellen starben. Die zehn Minuten, in denen ich ernsthaft versucht habe, diesen Dialogen irgendeinen Sinn abzugewinnen, haben bei meinen letzten verbliebenen Nervenzellen offenbar einen kollektiven Suizid ausgelöst. Ich saß da und fragte mich, ob ich gerade einen Film sehe oder ob jemand wahllos Sätze aus einem Glückskeks gezogen und sie anschließend von einer KI mit emotionaler Intelligenz auf dem Niveau eines Toasters hat verbinden lassen.
Verity hat wirklich alles, was man braucht, um einen Filmabend in eine unfreiwillige Überlebensübung zu verwandeln:
Logiklöcher, fürchterliche Kameraeinstellungen, Schauspiel, das mich stellenweise an meiner eigenen Wahrnehmung zweifeln ließ, und Dialoge, bei denen man sich fragt, ob irgendjemand am Set jemals mit einem anderen Menschen gesprochen hat. Dazu kommt ein sogenannter Plottwist, der ungefähr eine Stunde vorher bereits mit brennenden Fahnen angekündigt wird.
Ich liebe es ja, wenn Filme glauben, sie wären besonders clever. Noch mehr liebe ich es, wenn sie sich dabei selbst auf die Schulter klopfen, während sie mir ihre vermeintlich bahnbrechende Enthüllung mit der Subtilität eines Presslufthammers ins Gesicht rammen.
Leute sind tatsächlich hochgeschreckt, als der große Twist aufgedeckt wurde. Ich hatte vorher mitbekommen, wie einige von ihnen über das Buch gesprochen hatten. Sie wussten also bereits, was passieren würde. Und trotzdem waren sie SO FASZINIERT davon.
NEIN, GISELA! DA WURDE GERADE NICHT DAS WHODUNIT-GENRE NEU ERFUNDEN!
Hier wird nicht das Thrillerkino revolutioniert. Hier wird lediglich getestet, wie wenig man seinem Publikum zutrauen muss, bevor es eine vorhersehbare Enthüllung für den Höhepunkt der Filmgeschichte hält.
Und während ich noch damit beschäftigt war, mich von diesem dramaturgischen Offenbarungseid zu erholen, musste ich mir auch noch Dakota Johnson ansehen, die gefühlt mehr traurig in die Kamera schaut und schwer ausatmet, als tatsächlich zu schauspielern. Ich weiß, dass Dakota Johnson mehr kann, als mit einem leidenden Gesichtsausdruck durch einen Film zu schweben. Aber Verity scheint sie auf genau zwei emotionale Zustände zu reduzieren: „Ich bin traurig“ und „Ich bin noch trauriger, aber diesmal atme ich hörbar aus“.
Anne Hathaway ist derweil auch dabei. Ich hoffe weiterhin, dass der Gehaltsscheck ordentlich war. Wirklich. Ich wünsche mir, dass sie nach diesem Dreh eine kleine Villa gekauft, ihre Steuern bezahlt und sich von dem Rest des Geldes eine sehr lange Auszeit gegönnt hat. Irgendeinen Grund muss es schließlich geben, warum man bei so einem Drehbuch mitmacht.
Was mich allerdings deutlich weniger zum Lachen bringt, ist das, was dieser Film eigentlich erzählen will.
Denn hinter all dem filmischen Unsinn steckt eine ziemlich unangenehme Vorstellung von Beziehungen, Frauen und Liebe. Gewalt gegen Frauen wird hier nicht einfach nur dargestellt, sondern in einer Weise verpackt, die sie verharmlost und teilweise beinahe romantisiert. Toxische Dynamiken werden zu einem Bestandteil dieser vermeintlich aufregenden Liebesgeschichte gemacht, als wäre emotionale Abhängigkeit eine besonders prickelnde Form der Zuneigung.
Und dann haben wir eine Autorin, die sich selbst als Feministin bezeichnet und einen Erfolgsroman schreibt, in dem eine erfolgreiche, emanzipierte Frau von einem toxischen Partner abhängig ist. Und das gleich zweimal. Wirklich beeindruckend. Wenn wir im Jahr 2026 eines gebraucht haben, dann natürlich noch mehr Geschichten, in denen Frauen ihre Selbstbestimmung über Bord werfen, weil irgendein Mann mittleren Alters ihnen die Welt zeigen möchte.
Natürlich darf Literatur toxische Beziehungen erzählen. Natürlich dürfen Filme unangenehme Themen behandeln und Figuren zeigen, die schlechte Entscheidungen treffen. Das ist nicht das Problem. Das Problem ist, wie diese Geschichten ihre Dynamiken präsentieren und ob sie überhaupt verstehen, was sie da erzählen. Eine toxische Beziehung zu zeigen, ist etwas anderes, als sie mit dem Anstrich einer großen, leidenschaftlichen Liebe zu versehen. Und wenn eine Geschichte ihre problematischen Vorstellungen von Liebe nicht kritisch hinterfragt, sondern sie als emotionalen Nervenkitzel verkauft, dann darf man sich schon fragen, was hier eigentlich romantisiert werden soll.
Besonders absurd wird es, wenn man bedenkt, dass die betroffene Frau eigentlich erfolgreich und unabhängig sein soll.
Aber offenbar ist all das nichts wert, sobald ein durchschnittlich aussehender Mann auftaucht, der sich aufführt, als wäre er die letzte verbliebene Option auf diesem Planeten. Selbstbestimmung? Karriere? Eigene Bedürfnisse? Alles schön und gut, aber was ist das schon gegen einen Mann, der einem das Leben zur Hölle macht?
Dass dabei jeglicher Grundgedanke an Feminismus und Emanzipation in dem steinernen Pool ertrinkt, in dem sich Dakota Johnson über Fantasien mit genau diesem Mann selbstbefriedigt hat, nur um den männlichen Zuschauern auch noch eine Nacktszene zu bieten, ist dabei dann auch nur noch Nebensache.
Vielleicht bin ich ja einfach zu anspruchsvoll. Vielleicht habe ich auch nur zu viele Filme gesehen, um mich von einer Geschichte beeindrucken zu lassen, die ihre eigenen Klischees für tiefgründige Psychologie hält.
Oder vielleicht ist Verity aber auch einfach nur ein verdammt schlechter Film.
Denn selbst wenn ich all die problematischen Beziehungsbilder einmal beiseiteschiebe, bleibt da immer noch ein Thriller, der weder durch seine Dialoge noch durch seine Inszenierung oder seine Figuren überzeugen kann. Ein Film, der ständig so tut, als hätte er etwas wahnsinnig Schlaues zu erzählen, während ich im Kinosessel sitze und mich frage, ob die Verantwortlichen ihr eigenes Drehbuch jemals laut vorgelesen haben.
Ich bin ursprünglich in diesen Film gegangen, weil ich dachte, ich würde mich mit meiner Freundin über ein paar schlechte Dialoge amüsieren. Stattdessen saß ich irgendwann da und wünschte mir, ich hätte die Zeit genutzt, um zu Hause die Wand anzustarren. Das wäre dramaturgisch vermutlich überzeugender gewesen.
Und das Bitterste daran: Ich hätte wirklich gerne Spaß mit Verity gehabt. Ich liebe schlechte Filme, wenn sie wenigstens unterhaltsam schlecht sind. Wenn sie mich zum Lachen bringen, mich überraschen oder mir einen Grund geben, mich mit anderen Menschen darüber auszutauschen, was ich gerade gesehen habe. Aber Verity ist nicht einmal konsequent genug, um als filmischer Totalschaden Spaß zu machen. Er ist zu selbstverliebt, zu plump und zu überzeugt von seiner eigenen Genialität.
Und wenn ich eines aus diesem Kinobesuch mitgenommen habe, dann, dass ich meiner Freundin beim nächsten Mal vielleicht doch einfach ein Buch kaufen sollte.
Verfügbar bei: https://www.justwatch.com/de/Film/verity

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