Action & Abenteuer, Science-Fiction | Erscheinungsjahr: 2026 | Geschaut: 2026 im Kino | Schauspieler: Anne Hathaway, Ewan McGregor, Christian Convery | Regisseur: David Robert Mitchell | Laufzeit: 1h 39min
★ 7,6
Der Dino Porno des Jahres

Ich glaube, ich habe meinen Sommer-Blockbuster gefunden. End of Oak Street ist für mich tatsächlich der beste Dinosaurierfilm seit Jurassic Park und genau die Art von Film, von der ich gar nicht wusste, wie sehr ich sie vermisst habe.
Schon der Look hat mich komplett abgeholt. Dieser Film fühlt sich an wie eine Zeitreise zurück ins Abenteuerkino der 80er. Eine amerikanische Vorstadt, eine Familie, etwas Mysteriöses und plötzlich stehen Dinosaurier vor der Haustür. Das Ganze hat einen fast schon magischen Vibe, der mich immer wieder an Steven Spielberg erinnert hat. Man merkt deutlich, dass sich der Film von einigen Klassikern inspirieren lässt, aber genau diese Mischung macht unglaublich viel Spaß. Irgendwie bekommt man direkt dieses Gefühl, selbst gerne in den 80ern in irgendeiner amerikanischen Vorstadt aufgewachsen zu sein.
Und dann sind da natürlich die Dinosaurier. Was mir hier besonders gefallen hat, ist die Liebe zum Detail. Die Macher haben sich tatsächlich Gedanken darüber gemacht, wie Dinosaurier wahrscheinlich ausgesehen haben und nicht einfach wieder die bekannten schuppigen Monster aus den 90ern hingestellt. Einige haben Federn und wirken dadurch deutlich authentischer. Genau solche Kleinigkeiten machen für mich einen riesigen Unterschied.
Dabei ist End of Oak Street überraschenderweise überhaupt kein klassischer Familien-Abenteuerfilm.
Das hier ist ein Monster-Horrorfilm. Und teilweise auch ein ziemlich blutiger. Einige Szenen sind deutlich härter, als ich erwartet hatte, und genau das macht den Film für mich so interessant. Nach den ganzen glattpolierten Abenteuerfilmen der letzten Jahre fühlt sich diese Mischung aus Nostalgie, Abenteuer und Horror unglaublich erfrischend an.
Besonders stark ist die Inszenierung. Die Kamera liefert teilweise wirklich atemberaubende Bilder und schafft es, aus eigentlich simplen Situationen unglaublich viel Spannung herauszuholen. Gerade bei den ersten Begegnungen der Familie mit den Dinosauriern wird sehr bewusst mit Licht, Perspektiven, Geräuschen und dem gespielt, was man eben nicht sieht. Das Sounddesign erledigt dabei mindestens genauso viel Arbeit wie die Bilder. Man hört etwas, bevor man es sieht, wartet auf den Moment und genau dadurch baut sich diese Anspannung immer weiter auf.
Und das Schöne daran ist: Der Film hetzt nicht. Das Tempo ist für mich genau richtig. Er nimmt sich Zeit für seine Figuren, baut seine Spannung langsam auf und weiß gleichzeitig, wann er wieder aufs Gas treten muss. Dazu kommen einige wirklich starke Wendungen und Twists, mit denen ich so nicht gerechnet habe. Gerade dadurch bleibt man auch über die gesamte Laufzeit aufmerksam.
Denn eigentlich geht es hier gar nicht um die große Frage, warum ausgerechnet diese Straße plötzlich mitten in der Jura- oder Kreidezeit steht. Der Film interessiert sich überraschend wenig für das große „Warum“. Und ehrlich gesagt finde ich das ziemlich gut.
Im Mittelpunkt steht die Familie.
Und hier zeigt End of Oak Street etwas, das viele andere Familien- und Abenteuerfilme gerne vergessen: Familie ist nicht automatisch harmonisch. Hier geht es um Ehekrisen, persönliche Probleme, Streit und darum, wie sehr solche Konflikte auch die Kinder beeinflussen. Der Film hält die Kamera teilweise bewusst auf diesen unangenehmen Momenten. Es wird nicht schnell weggeschnitten, damit die nächste Dinosaurierszene kommen kann. Wir müssen diese Familie tatsächlich miteinander erleben.
Genau dadurch habe ich angefangen, um die Figuren zu bangen. Nicht nur, weil irgendwo ein Dinosaurier herumläuft, sondern weil man ihnen vorher schon emotional nähergekommen ist. Wenn dann plötzlich etwas passiert, hat es dadurch auch tatsächlich Gewicht.
Anne Hathaway und Ewan McGregor machen dabei einen hervorragenden Job. Gerade Hathaway hat mich wirklich überrascht und trägt viele dieser emotionalen Szenen unglaublich stark. Bei den Kinderdarstellern hatte ich dagegen ein paar Probleme. Gerade im direkten Vergleich mit den beiden wirken einige Szenen leider etwas hölzern. Teilweise haben ihre Entscheidungen für mich sogar einige Handlungselemente unnötig unlogisch gemacht oder deutlich in die Länge gezogen. Aber ganz ehrlich:
Das ist schon fast Meckern auf sehr, sehr hohem Niveau.
Auch das Ende hat für mich überraschend gut funktioniert. Ich möchte hier natürlich nichts vorwegnehmen, aber der Film bekommt einen runden und passenden Abschluss. Ein harter Cut hätte sicherlich ebenfalls funktioniert, aber gerade weil End of Oak Street immer wieder diesen familiären und fast schon magischen Spielberg-Vibe besitzt, passt dieses Ende für mich genau zu dem Film.
Am Ende bleibt für mich ein Film, der mich einfach unglaublich gut unterhalten hat. Er ist spannend, überraschend, teilweise brutal, wunderschön inszeniert und hat gleichzeitig dieses nostalgische Abenteuergefühl, das ich im Kino schon lange vermisst habe.
End of Oak Street ist für mich der beste Dinosaurierfilm seit Jurassic Park und gleichzeitig mein persönlicher Sommer-Blockbuster. Ein Film, der mich daran erinnert hat, warum ich Kino liebe: weil man für zwei Stunden in eine völlig andere Welt geworfen werden kann und danach mit einem riesigen Grinsen aus dem Saal kommt.
Verfügbar bei: https://www.justwatch.com/de/Film/flowervale-street

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