The Odyssey

5 Minuten

Action & Abenteuer, Drama, Fantasy | Erscheinungsjahr: 2026| Geschaut: 2026 im Kino | Schauspieler: Matt Damon, Anne Hathaway, Tom Holland | Regisseur: Christopher Nolan | Laufzeit: 2h 53min

 8,7 

War’ne Odyssee, lang war der Weg, doch wollte ihn geh’n

Er hat es schon wieder getan. Christopher Nolan bringt mit The Odyssey das nächste riesige Epos auf die große Leinwand. Und ehrlich gesagt sucht er sich mit seinen letzten Filmen auch keine leichte Kost mehr aus. Nach Oppenheimer folgt nun die vielleicht berühmteste Geschichte der Menschheitsgeschichte. Jeder von uns hatte wahrscheinlich irgendwann einmal Berührungspunkte mit der Odyssee. Trotzdem ist das hier kein Film für jeden. Man muss sich auf solche Sagen und diese Art des Erzählens einlassen. Wer das nicht kann oder nicht möchte, wird wahrscheinlich schnell den Anschluss verlieren.

Ich möchte an dieser Stelle auch mal eine Lanze für Tom Holland brechen. Er beweist hier einmal mehr, dass deutlich mehr in ihm steckt als nur Spider-Man. Er spielt mit einer Ernsthaftigkeit und Präsenz, die richtig gut funktioniert. Generell ist der gesamte Cast hervorragend besetzt. Matt Damon liefert genau die Leistung ab, die man sich von ihm erhofft und trägt den Film mit einer unglaublichen Ruhe. Anne Hathaway ist als Penelope fantastisch und schafft es, trotz vergleichsweise weniger Szenen eine enorme emotionale Wirkung zu entfalten. Zendaya bleibt dagegen leider etwas unter ihren Möglichkeiten, einfach weil ihre Rolle nicht viel Raum bekommt. Ihre letzte gemeinsame Szene mit Matt Damon hat mich dafür umso mehr berührt. Und John Bernthal macht genau das, was John Bernthal eben macht. Er spielt diesen rauen, kompromisslosen Charakter hervorragend, auch wenn man den Punisher an manchen Stellen deutlich durchschimmern sieht.

Was mich aber wahrscheinlich am meisten beeindruckt hat, war die Erzählweise. Drei Stunden Laufzeit klingen erstmal nach einer echten Hausnummer. Doch Christopher Nolan versteht es wie kaum ein anderer, einen langen Film erstaunlich kurz wirken zu lassen. Natürlich spürt man die Laufzeit. Aber ich hatte nie das Gefühl von Langeweile. Immer wieder wechseln Orte und Zeitebenen, ohne dass der Film daran zerbricht. Im Gegenteil. Genau dadurch bleibt das Tempo konstant hoch.

Es ist deutlich schwieriger einen langen Film kurz fühlen zu lassen, als einen kurzen film lang fühlen zu lassen.

Dazwischen stehen hervorragend geschriebene Dialoge, die den gewaltigen Bildern immer wieder kleine Ruhepausen geben. Der Film nimmt sich Zeit, aber immer für die richtigen Momente. Und genau das macht für mich einen großartigen Regisseur aus. Nicht alles erzählen zu wollen, sondern genau zu wissen, was erzählt werden muss.

Besonders gefallen hat mir dabei, dass Nolan fast komplett auf klassische Exposition verzichtet. Figuren werden nicht vorgestellt, indem sie sich selbst erklären. Namen, Beziehungen und Beweggründe ergeben sich ganz natürlich aus Gesprächen. Als Zuschauer muss man aufmerksam bleiben und sich vieles selbst erschließen. Das ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Aber genau dadurch fühlt sich diese Welt so lebendig an. Der Film vertraut seinem Publikum und erklärt eben nicht jede Kleinigkeit. Das empfinde ich mittlerweile als unglaublich erfrischend.

Während des gesamten Films saß ich immer wieder im Kino und dachte: Ich habe gerade nichts, woran ich mich wirklich stören könnte. Für mich ist The Odyssey in der Form, wie Christopher Nolan ihn machen wollte, nahezu perfekt. Man merkt diesem Film in jeder Sekunde an, dass hier eine klare Vision dahintersteckt. Nichts wirkt zusammengestückelt, nichts fühlt sich nach Studioentscheidung oder nachträglichem Umschreiben an. Alles greift ineinander, als hätte eine einzige Person von Anfang bis Ende genau diesen Film im Kopf gehabt. Und genau das war wahrscheinlich auch der Fall.

Der Film hat keine Fehler und vielleicht ist genau das das Problem.

Trotzdem hatte ich nach dem Abspann einen Gedanken, den ich nur schwer beschreiben kann. Obwohl dieser Film so unglaublich gut funktioniert, hatte ich das Gefühl, dass vielleicht sogar noch mehr möglich gewesen wäre. Vielleicht hat Nolan sich durch den Anspruch, den gesamten Film auf IMAX 70mm umzusetzen, selbst gewisse Grenzen gesetzt. Manche Ideen wären womöglich einfacher oder spektakulärer umsetzbar gewesen. Gleichzeitig glaube ich aber auch, dass genau darin die Stärke dieses Films liegt. Nolan wollte beweisen, was mit diesem Format möglich ist. Vielleicht war es eine Art Experiment oder eigene Herausforderung. Und wenn das sein Ziel war, dann ist ihm das eindrucksvoll gelungen. Dieser Film ist eine geschlossene Sache, er fühlt sich rundum abgeschlossen an, keine Ecken und Kanten, aber an manchen Stellen eben schon zu rund, als würde ein wenig Charakter und etwas Einzigartigkeit fehlen. Nichts Visuelles, etwas abseits der Technik.

Denn das muss man sagen: Die Bilder sind schlichtweg atemberaubend. Schon bei Oppenheimer gab es Momente, die mich emotional getroffen haben, ohne dass ich genau erklären konnte, warum. The Odyssey schafft das wieder. Es gibt Einstellungen, die einen einfach überwältigen. Nicht, weil ständig etwas explodiert oder passiert, sondern weil Bild, Musik und Atmosphäre perfekt ineinandergreifen. Man wird komplett in diese Welt hineingezogen. Die gewaltigen Landschaften, das Spiel mit Licht und Schatten und diese fast schon ehrfürchtige Inszenierung erinnern an die ganz großen Monumentalfilme vergangener Jahrzehnte.

Dazu kommt die Musik, die einen förmlich in den Kinosessel drückt. Gewaltige Orchester, tiefe Bässe und ein Sounddesign, das manchmal fast schon körperlich spürbar wird. An manchen Stellen vielleicht sogar einen Tick zu laut. Aber genau dadurch entsteht ein Erlebnis, das man so wahrscheinlich nur im Kino haben kann. Es gibt Bilder in diesem Film, die ich so noch nie gesehen habe. Selbst nicht bei Christopher Nolan.

Christopher Nolan ist seine eigene Messlatte.

The Odyssey ist kein Film, den man einfach nebenbei schaut. Er fordert Aufmerksamkeit, Geduld und die Bereitschaft, sich komplett auf seine Welt einzulassen. Wer das tut, bekommt eines der beeindruckendsten Kinoerlebnisse der letzten Jahre. Christopher Nolan hat wieder einmal bewiesen, warum er für viele der größte Regisseur unserer Zeit ist. Und ehrlich gesagt frage ich mich langsam selbst, wie er diese Messlatte beim nächsten Mal überhaupt noch übertreffen will.

Verfügbar bei: https://www.justwatch.com/de/Film/the-odyssey-2026


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