5 Minuten

Action, Fantasy, Science-Fiction | Erscheinungsjahr: 2026 | Geschaut: 2026 im Kino | Schauspieler: Tom Holland, Zendaya, Sadie Sink | Regisseur: Destin Daniel Cretton | Laufzeit: 2h 25min

 8,3 

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I think I spider

Ich hätte ehrlich gesagt nicht gedacht, dass ich diesen Satz mal sagen würde, aber Spider-Man: Brand New Day hat irgendetwas in mir geheilt. Es ist lange her, dass ich das Kino mit einem so breiten Grinsen verlassen habe. Nicht, weil der Film permanent versucht, den nächsten Gag zu landen oder den Zuschauer mit Fanservice zu bombardieren. Sondern weil er mich wieder daran erinnert hat, warum ich Spider-Man überhaupt so liebe. Dieser Film fühlt sich an wie eine Rückkehr zu dem, was diese Figur eigentlich ausmacht.

Und genau das ist der Punkt. Spider-Man gehört auf die große Leinwand. Natürlich funktioniert die Figur auch in Comics, Spielen oder Serien. Aber wenn Peter Parker durch die Häuserschluchten schwingt, begleitet von einer Kamera, die jede Bewegung mitmacht, merkt man einfach, warum diese Figur seit Jahrzehnten so beliebt ist. Brand New Day versteht das. Und vielleicht besser als jeder andere Tom-Holland-Film zuvor.

Vor allem aber wird Tom Holland hier endlich zu Spider-Man. Sein Peter Parker stand in den vergangenen Filmen oft deutlich mehr im Mittelpunkt als sein Leben als Held. Das war nie schlecht, aber hier verschieben sich die Prioritäten. Peter muss nach den Ereignissen aus No Way Home sein Leben komplett neu definieren. Niemand weiß mehr, wer Peter Parker ist. Und genau diese Einsamkeit trägt der Film über seine gesamte Laufzeit mit sich. Man sieht Tom Holland unglaublich oft im Spider-Man-Anzug und das wirkt nicht wie Fanservice, sondern wie ein bewusstes Stilmittel.

Spider-Man ist mittlerweile mehr Identität als Peter Parker. Und genau darin liegt sein größter Konflikt.

Der Film nimmt sich erstaunlich viel Zeit, dieses neue Leben zu zeigen. Er hetzt nicht von Actionsequenz zu Actionsequenz, sondern lässt uns gemeinsam mit Peter verstehen, was dieser Verlust eigentlich bedeutet. Man spürt in jeder Szene, dass dieser Peter gebrochen ist. Nicht auf eine überdramatische Art, sondern viel leiser. Er akzeptiert vieles, obwohl es ihn innerlich auffrisst. Und genau dadurch wirkt er erwachsener als je zuvor.

Immer wieder musste ich dabei an Spider-Man 2 oder auch The Amazing Spider-Man denken. Man merkt deutlich, dass sich die Macher mit den vorherigen Filmen und den Figuren auseinandergesetzt haben. Gleichzeitig kopiert Brand New Day nicht einfach stumpf. Stattdessen nimmt er die Stärken und erzählt daraus seine eigene Geschichte. Der Film ist deutlich düsterer als seine Vorgänger und zieht uns tief in Peters Selbstzweifel und Identitätskrise hinein. Gleichzeitig verliert er nie aus den Augen, warum wir Spider-Man eigentlich lieben.

Es gibt zwei oder drei Szenen, bei denen ich im Kino wirklich schlucken musste. Nicht, weil sie besonders spektakulär inszeniert sind, sondern weil sie emotional so gut funktionieren. Man sieht Peter leiden. Nicht nur körperlich, sondern vor allem seelisch. Und je mehr der Film ihm nimmt, desto schöner werden die wenigen ruhigen Momente, in denen er einfach nur Mensch sein darf. Gerade diese kleinen, hoffnungsvollen Szenen haben mich fast noch mehr berührt als die großen Actionsequenzen.

Das ist für mich mit Abstand seine beste Leistung als Spider-Man.

Zum ersten Mal wirkt es so, als müsse Tom Holland sich nicht mehr hinter permanenten Witzen verstecken. Sein Charme trägt diesen Film ganz von allein. Er spielt ruhiger, reifer und deutlich natürlicher. Man kauft ihm jede Entscheidung und jeden Schmerz ab. Genau so habe ich mir diese Version von Peter Parker immer gewünscht.

Auch die Action hat mich komplett abgeholt. Man merkt an jeder Ecke, dass sich die Macher die Insomniac Spider-Man-Spiele ganz genau angeschaut haben. Die Dynamik, die Geschwindigkeit und vor allem die Schwungszenen durch New York erinnern stellenweise enorm daran. Und das ist ein riesiges Kompliment. Einige Einstellungen gehören für mich sogar zu den schönsten Bildern, die wir jemals in einem Spider-Man-Film gesehen haben. Destin Daniel Cretton beweist hier ein unglaubliches Gespür für die Bilder und Kameraeinstellungen. Klar, das CGI schwächelt hier und da ein wenig. Aber wenn dafür so viel Kreativität und Leidenschaft in jeder Szene steckt, kann ich darüber problemlos hinwegsehen,

Auch die emotionalen Handlungsstränge rund um MJ (Zendaya) und Ned (Jacob Batalon) haben mich überrascht. Ich hatte große Sorge, dass No Way Home dadurch rückwirkend an Bedeutung verlieren könnte. Das Gegenteil ist der Fall. Die gemeinsamen Szenen bekommen genau die Zeit, die sie brauchen. Es wird nicht gehetzt, nichts wird künstlich beschleunigt. Mehr als einmal saß ich im Kino und wollte Peter am liebsten zurufen: „Jetzt sag ihnen endlich die Wahrheit.“ Genau diese Momente haben mich emotional am meisten erwischt.

Das hier ist ein unglaublich reifer Spider-Man Film.

Überrascht hat mich auch Sadie Sink. Ich möchte ihrer Figur noch nicht zu viel vorwegnehmen, aber sie macht ihre Sache wirklich hervorragend. Ob sie langfristig meine Wunschbesetzung für ihre Figur wird, müssen kommende Filme zeigen. Das Potenzial ist aber definitiv da. Und auch John Bernthal liefert wieder genau das ab, was man von ihm erwartet. Seine Chemie mit Tom Holland funktioniert mal wieder hervorragend und sorgt für einige der stärksten Szenen des Films. Dazu war es einfach schön, endlich wieder den „richtigen“ Hulk auf der Leinwand zu sehen.

Einen echten Kritikpunkt zu finden, fällt mir überraschend schwer. Vielleicht merkt man dem Film gegen Ende seine Laufzeit etwas an. Sobald der große Twist klar wird, zieht sich das Finale stellenweise ein wenig. Gleichzeitig erzählt der Film unglaublich viel und schafft es trotzdem meistens, die Balance zu halten. Das ist alles andere als selbstverständlich.

Vielleicht bin ich gerade auch noch etwas zu euphorisch. Vielleicht muss ich den Film noch ein zweites oder drittes Mal sehen. Aber genau dieses Gefühl hatte ich lange nicht mehr. Ich bin aus dem Kino gekommen und wollte am liebsten direkt wieder in die nächste Vorstellung gehen. Vor dem Film war ich unglaublich skeptisch. Jetzt bin ich ehrlich gesagt einfach nur begeistert. Spider-Man: Brand New Day ist für mich nicht nur der beste Tom-Holland-Film. Er ist genau der Spider-Man-Film, auf den ich seit Jahren gewartet habe. Und wenn das die Zukunft dieser Figur ist, dann kann ich den nächsten Teil kaum erwarten.

Verfügbar bei: https://www.justwatch.com/de/Film/spider-man-4


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