Invincible S1

3 Minuten

Action, Animation, Science-Fiction, Drama | Erscheinungsjahr: 2021 | Geschaut: 2023 über Streamingdienst | Schauspieler: Steven Yeun, Sandra Oh, J.K. Simmons, Walton Goggins, Gillian Jacobs

 8,7 

1. Staffel 8 Folgen

Ich glaube, selten hat mich eine Serie so sehr auf dem falschen Fuß erwischt wie Invincible. Vor dem ersten Anschauen dachte ich, das wird wahrscheinlich einfach eine weitere Superheldenserie. Ein junger Typ bekommt Superkräfte, versucht, in die Fußstapfen seines berühmten Vaters zu treten, ein bisschen Action und das war’s. Nach der ersten Folge wusste ich dann, wie verdammt falsch ich damit lag.

Denn Invincible beginnt zunächst tatsächlich genau so. Mark Grayson ist ein ganz normaler Teenager, der darauf wartet, endlich seine Kräfte zu bekommen. Sein Vater Omni-Man ist schließlich der mächtigste Held der Erde und Mark möchte nichts lieber, als irgendwann genauso zu sein wie er. Als seine Kräfte dann endlich auftauchen, beginnt für ihn das typische Superheldenleben. Schule, Familie, Freunde und nebenbei die Welt retten. Doch je weiter die Staffel voranschreitet, desto deutlicher wird, dass hier etwas ganz anderes erzählt werden soll.

Denn während Mark langsam lernt, was es bedeutet, ein Held zu sein, passieren im Hintergrund Dinge, die immer schwerer zu ignorieren sind. Figuren verschwinden, Geheimnisse kommen ans Licht und besonders rund um Omni-Man wird immer deutlicher, dass etwas gewaltig nicht stimmt.

Das Herzstück der Serie ist für mich deshalb ganz klar die Beziehung zwischen Mark und seinem Vater. Ohne zu viel vorwegnehmen zu wollen, entwickelt sich genau daraus einer der stärksten Konflikte, die ich bisher in einer Superheldengeschichte gesehen habe. Denn plötzlich geht es nicht mehr nur um Bösewichte und spektakuläre Kämpfe. Es geht um Familie, Erwartungen, Vertrauen und die Frage, was einen Menschen eigentlich zu einem Helden macht.

Und genau dann zeigt Invincible, wie brutal eine Superheldengeschichte wirklich sein kann.

Die Serie hält sich dabei überhaupt nicht zurück. Kämpfe sind hier nicht einfach nur coole Actionsequenzen, nach denen alle wieder aufstehen und weitermachen. Jeder Schlag fühlt sich an, jede Verletzung hat Konsequenzen und manchmal merkt man als Zuschauer ziemlich schnell, dass hier eben nicht jeder am Ende gerettet wird. Genau dadurch entsteht eine Spannung, die ich bei vielen anderen Superheldengeschichten mittlerweile vermisse.

Gleichzeitig verliert Invincible nie seine Figuren aus den Augen. Mark ist ein unglaublich sympathischer Hauptcharakter, weil er eben noch lange nicht der perfekte Held ist. Er macht Fehler, zweifelt an sich und versucht verzweifelt, sein normales Leben mit seinen neuen Fähigkeiten zu verbinden. Während er lernen muss, was Verantwortung wirklich bedeutet, merkt man aber auch immer mehr, dass er in einer Welt lebt, die deutlich komplizierter ist, als er zunächst dachte.

Dazu kommt eine richtig starke Inszenierung. Die Animation wirkt auf den ersten Blick vielleicht etwas schlicht, doch gerade dadurch funktionieren die plötzlichen Gewaltausbrüche und Actionsequenzen teilweise noch besser. Die Kämpfe sind dynamisch, kreativ und teilweise so kompromisslos, dass man schnell versteht, warum diese Serie definitiv nichts für Kinder ist.

Und dann kommt dieses Finale.

Ich glaube, jeder, der die erste Staffel gesehen hat, weiß genau, was ich meine. Die letzten Folgen gehören für mich zu den besten, die ich jemals in einer Superheldengeschichte gesehen habe. Alles, was vorher aufgebaut wurde, läuft hier zusammen. Der Konflikt zwischen Mark und seinem Vater eskaliert und plötzlich wird aus einer vermeintlich klassischen Superheldengeschichte etwas emotional unglaublich Brutales.

Das Finale ist schockierend, brutal und gleichzeitig verdammt gut geschrieben. Es beantwortet nicht einfach nur Fragen, sondern stellt neue und sorgt dafür, dass man nach dem Abspann eigentlich sofort wissen möchte, wie es weitergeht. Genau so beendet man eine Staffel.

Invincible Staffel 1 ist für mich weit mehr als nur eine weitere Superheldenserie. Sie nimmt ein Genre, das man eigentlich zu kennen glaubt, und zeigt, wie viel mehr darin stecken kann. Superkräfte, Action und Gewalt stehen zwar im Mittelpunkt, aber am Ende geht es vor allem um Menschen, Familie und die Konsequenzen ihrer Entscheidungen.

Für mich gehört die erste Staffel von Invincible schon jetzt zu den besten Superheldengeschichten der letzten Jahre. Und nach diesem Finale war für mich eines klar: Ich musste sofort weiterschauen.

Verfügbar bei: https://www.justwatch.com/de/Serie/Invincible/Staffel-1


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