Action, Krimi, Drama, Thriller | Erscheinungsjahr: 2026 | Geschaut: 2026 über Streamingdienst | Schauspieler: Alan Ritchson, Sydelle Noel, Agnez Mo, Chris Marquette, Anggun
★ 6,5
4. Staffel 8 Folgen

Ich mache es kurz: Reacher Staffel 4 ist für mich die bisher schwächste Staffel der Serie. Und das, obwohl der Charme und die Action teilweise sogar noch besser geworden sind und nach wie vor genau das liefern, was ich an der Serie so mag. Doch leider gibt es hier einige Probleme, die ich in den vorherigen Staffeln so nicht hatte und die mir einen großen Teil des Spaßes genommen haben.
Und das größte Problem sind für mich tatsächlich die Figuren. Natürlich stand Reacher schon immer im Mittelpunkt der Handlung, aber gerade die Nebenfiguren haben die Serie für mich bisher so besonders gemacht. In Staffel 1 hatten wir mit Rosco, Finlay und Neagley Charaktere, die Reacher perfekt ergänzt haben und für mich bis heute einer der Hauptgründe sind, warum die erste Staffel die beste der Serie ist. In Staffel 2 kam dann sein altes Team dazu. Ich weiß, dass viele der Meinung waren, dass das zwar ganz nett ist, man Reacher aber nicht unbedingt als Teil eines Teams sehen muss. Und da stimme ich tendenziell auch zu. Trotzdem hat die Dynamik funktioniert, weil die Figuren gut geschrieben waren und die Chemie auf dem Fernseher einfach gepasst hat.
In Staffel 3 war Reacher dann wieder mehr auf sich allein gestellt und wir bekamen deutlich mehr zwielichtige Charaktere an seine Seite. Auch das hat für mich über weite Strecken hervorragend funktioniert. Aufbau, Stimmung, Dynamik und Chemie – all das saß.
Doch genau dieses Gefühl hatte ich in Staffel 4 leider nicht.
Tamara (Sydelle Noel) ist für mich der typische Charakter in der Reacher-Serie, der unseren Titelhelden bei seinen Ermittlungen unterstützt. Das ist grundsätzlich auch völlig in Ordnung, aber im Vergleich zu den Figuren aus den vorherigen Staffeln finde ich sie mit Abstand am uninteressantesten. Auch ihre Dynamik mit Reacher funktioniert für mich am schlechtesten. Rosco, Finlay und selbst Duffy fand ich allesamt deutlich unterhaltsamer und interessanter.
Doch so hart es klingt: Mein größtes Problem ist Jacob. Ich kam mit ihm zu keinem Zeitpunkt klar und kaufte Chris Marquette sein Schauspiel schlichtweg keine Sekunde ab. Für mich war das wirklich schrecklich. Keine funktionierende Dynamik mit den anderen Darstellern, absolut unglaubwürdiges Acting und dazu eine Figur, die auch noch furchtbar geschrieben ist. Dabei hatten wir ein ähnliches Figurenkonzept bereits in den vorherigen Staffeln mit Hubble und Richard. Und obwohl diese Charaktere jetzt auch nicht unbedingt meine persönlichen Highlights waren, funktionierte das bei ihnen tausendmal besser als hier mit Jacob.
Besonders schlimm fand ich die Szene, in der er über Amisha gebeugt ist und ihr mit dem Messer droht. Ich sah da zwar vieles, aber ganz sicher keinen Mann, der gerade seine Schwester und seine Neffen verloren hatte. Mir fehlte jegliche Glaubwürdigkeit, jegliche Emotion und vor allem das Gefühl, dass dieser Mensch gerade wirklich etwas zu verlieren hat. Ich habe ihm die Rolle einfach absolut nicht abgekauft. Und das ist für mich ein großes Problem, denn Reacher lebt eben nicht nur von seinem Titelhelden, den Prügeleien und den coolen Sprüchen, sondern auch von den Figuren, die er auf seinen Abenteuern trifft und die ihn begleiten.
Was ich dagegen besonders hervorheben möchte, ist die Storyline rund um John Sampson und seine Frau. Genau hier kam für mich dieses bekannte Reacher-Gefühl wieder richtig gut zum Vorschein. Die Handlung hatte für mich die richtige Mischung aus Spannung, persönlicher Geschichte und dem, was ich an der Serie so gerne mag.
Umso bedauerlicher fand ich es, dass ich das von der Antagonisten-Handlung überhaupt nicht behaupten konnte.
Auch Amisha (Anggun) und Lila (Agnez Mo) fand ich leider absolut unglaubwürdig. Gerade bei den beiden fehlte mir dieses Gefühl, dass ich es mit ernst zu nehmenden Gegenspielerinnen zu tun habe. Besonders der letzte Kampf gegen Reacher war für mich ein Moment, in dem ich eigentlich nur noch den Kopf schütteln konnte. Und wenn ich bei einer Serie, die so stark von ihren Konfrontationen und ihrem Katz-und-Maus-Spiel lebt, irgendwann mehr mit den Augen rolle, als dass ich mitfiebere, dann läuft für mich etwas falsch.
Alles in allem geht Staffel 4 damit leider genau in eine Richtung, in die ich gehofft hatte, dass die Serie nicht abbiegt. Natürlich ist es verständlich, dass es mit jeder weiteren Staffel schwieriger wird, neue Geschichten zu erzählen, interessante Figuren einzuführen und gleichzeitig die Fans bei der Stange zu halten. Aber Lee Child hat nun wirklich einige richtig gute Bücher in der Reacher-Reihe veröffentlicht. Deshalb hoffe ich einfach, dass die Macher bei der nächsten Adaption wieder zu alter Stärke zurückfinden.
Denn eines muss man der vierten Staffel lassen: Gerade die Action macht nach wie vor einen unglaublichen Spaß. Wenn Reacher loslegt, kracht es ordentlich, und auch der grundsätzliche Charme der Serie ist weiterhin vorhanden. Das Gesamtpaket, das man an Reacher so mag, bekommt man also auch hier. Nur sind die Schwächen diesmal deutlich schwerer zu übersehen, als ich es mir erhofft hatte.
Und so bleibt für mich eine Staffel, die zwar immer noch verdammt unterhaltsam sein kann, mich bei ihren Figuren und ihrer Geschichte aber viel zu oft verloren hat. Ich hoffe wirklich, dass die Verantwortlichen das ähnlich sehen und in der nächsten Staffel wieder zu alter Stärke zurückfinden. Denn ich möchte Reacher nicht dabei zusehen, wie die Serie langsam ihre eigenen Stärken aus den Augen verliert.
Verfügbar bei: https://www.justwatch.com/de/Serie/Jack-Reacher/Staffel-4

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